Halo hat einen neuen Entwickler. Xbox hat am Dienstag angekündigt, dass Activision – der Call of Duty-Publisher – die nächste Hauptfortsetzung der Reihe entwickeln wird. Ein zweckgebundenes Team innerhalb Activision soll den Titel übernehmen, getrennt von der laufenden Call of Duty-Produktion. Halo Studios, ehemals 343 Industries, wird auf eine Support-Rolle reduziert. 268 Stellen fallen weg, vor allem in der Halo-Entwicklung. Die Nachricht ist keine Beförderung für die Marke. Sie ist eine Machtverschiebung.
Ein Publisher übernimmt, ein Studio blutet aus
Halo Studios hat die Marke seit 2012 geführt. Nach dem Wechsel von Bungie zu 343 Industries durchlief das Studio mehrere Umbauten. Halo Infinite startete 2021 mit Multiplayer und Kampagne, wurde aber über Jahre mit Updates versorgt, statt eine neue Kampagne zu erhalten. Der Wechsel zu Unreal Engine 5 wurde 2024 angekündigt. Campaign Evolved, das Remake des ersten Halo, war das erste Projekt dieser neuen Ära. Jetzt übernimmt Activision.
Der Publisher hat laut einem Bericht des Hollywood Reporter die Zusage für ein „full-feature, mainline installment“ erhalten. Das unterscheidet den Titel von einem Remake oder Spin-off. Es impliziert eine vollwertige Fortsetzung mit Kampagne und Multiplayer. Genau der Multiplayer fehlte Campaign Evolved – das Remake bot nur die Kampagne. Ein neuer Hauptteil wäre also der erste vollwertige Halo-Shooter seit Halo Infinite. Der letzte liegt fünf Jahre zurück.
Matt Booty, Xbox‘ Chief Content Officer, schrieb in einem internen Memo, das auf der Xbox News Seite veröffentlicht wurde, dass ein kleines Team bei Halo Studios die bestehenden Spiele weiter unterstützen werde. Die Entwicklung des nächsten Hauptteils liege bei Activision. World’s Edge, das Studio hinter Age of Empires, und Rare, bekannt für Sea of Thieves, wechseln ebenfalls unter das Activision-Dach. Playground und Turn 10 fusionieren. Obsidian wird Bethesda unterstellt. Ninja Theory steht vor der Schließung.
Vom Remake zum „größten Halo aller Zeiten“
Activision-Präsident Rob Kostich sagte in der Ankündigung: „Für Halo ist unser Ziel klar: Das größte Halo-Spiel aller Zeiten zu machen, würdig seines Universums und Vermächtnisses, während wir dem treu bleiben, was die Spieler von Anfang an daran geliebt haben.“ Es ist ein Satz, der in der Branche oft fällt – und selten eingehalten wird.
Der Vergleich mit der jüngeren Vergangenheit der Marke ist ernüchternd. Campaign Evolved wurde in unserem Test als „mehr Remaster als Remake“ bewertet. Das Spiel bot keine neue Kampagne, keinen Multiplayer, keinen Foto-Modus. Es war eine technische Auffrischung des Originals. Wer die Legendary-Schwierigkeit abschloss, sah eine Cutscene mit Sergeant Johnson. Er sagte: „See you in the sequel.“ Das geheime Ende von Campaign Evolved deutete ein Halo 2-Remake an. Jetzt entwickelt Activision stattdessen einen neuen Hauptteil.
Das Versprechen „das größte Halo aller Zeiten“ setzt einen Maßstab, den die Marke seit über einem Jahrzehnt nicht mehr erreicht hat. Halo 4 (2012) war der letzte Teil, der von einem Großteil der Community als vollwertige Fortsetzung akzeptiert wurde. Halo 5: Guardians (2015) spaltete die Fans mit seiner Kampagne. Halo Infinite (2021) hatte einen starken Start, verlor aber über die Jahre an Momentum, weil neue Kampagneninhalte ausblieben. Ein neuer Hauptteil muss nicht nur gut sein. Er muss die Erwartungen einer hungrigen Community übertreffen.
Jahre des Wartens, ein schwacher Start
Der Zeitrahmen ist unklar. Sinha schreibt in seinem Bericht, dass Activision den Titel „irgendwann“ veröffentlichen werde. Da das Team gerade erst zusammengestellt wird und die Entwicklung eines AAA-Shooters mehrere Jahre dauert, ist ein Release vor 2029 unrealistisch. Das ist eine lange Durststrecke für eine Marke, die bereits seit 2021 auf einen neuen Hauptteil wartet.
Die aktuelle Performance der Marke gibt wenig Anlass zur Euphorie. Campaign Evolved verzeichnete einen schwachen Steam-Start, auch wenn die Einordnung als Remaster milder ausfiel. Der Xbox Reset Strategie folgend, konzentriert Microsoft seine Ressourcen auf wenige große Marken. Halo ist eine davon – aber nicht mehr die einzige, die zählt. Fallout und The Elder Scrolls haben Priorität. Halo muss liefern, wenn es erscheint. Ein weiterer Fehlschlag würde die Marke endgültig in die zweite Reihe verschieben.
Activision hat mit Call of Duty bewiesen, dass es jährliche Shooter-Produktion in großem Maßstab beherrscht. Aber Halo ist kein Call of Duty. Die Marke lebt von ihrer Kampagne, ihrer Story, ihrer Atmosphäre. Ein Publisher, der für Effizienz und Scale bekannt ist, muss beweisen, dass er auch das Gegenteil kann: einer Marke Zeit geben, sich zu entfalten. Kostichs Versprechen ist groß. Die Umsetzung ist eine offene Wette.