Am 16. Juli hat Microsoft der Geschäftsführung von Arkane Lyon mitgeteilt, dass man das Studio schließen will. Drei Monate später steht eine Frist: Bis zum 13. November muss ein Käufer gefunden sein, sonst fallen 217 Stellen weg. Das berichtet Le Monde, und die Zahl ist so präzise, weil französisches Arbeitsrecht sie erzwingt. Wer mehr als 1.000 Mitarbeiter hat, muss drei Monate lang aktiv nach einem Käufer suchen, bevor er ein Werk schließen darf. Microsoft hat diese drei Monate genutzt. Gefunden hat es offenbar niemanden, der zusagen will.
Ein Studio, das nicht pleite ist, sondern abgewickelt wird
Die Gewerkschaften haben in den vergangenen Wochen genau das betont, was in einer Schließungsmitteilung normalerweise fehlt. Arkane Lyon sei finanziell gesund, sagen Vertreter von Printemps Écologique und der STJV. Das Studio entwickelt Marvel’s Blade, und die Produktion sei „nearing the end“ — fast am Ende. Ein Spiel, an dem seit der Ankündigung auf den Game Awards 2023 gearbeitet wird, steht kurz vor der Fertigstellung. Blade ist ziemlich weit, wie es intern heißt. Und das Studio, das es baut, soll dichtmachen.
Die Wut der Belegschaft richtet sich gegen eine Entscheidung, die als „incoherent“ bezeichnet wird. Ein Gewerkschaftsvertreter sagte, die Verhandlungen über den Sozialplan liefen „schlecht“. Es geht nicht um ein Studio, das am Markt gescheitert ist. Es geht um ein Studio, das Opfer einer Konzernstrategie wurde, die anderswo beschlossen wurde. „Wir sind Kollateralschäden der Strategieänderung bei Xbox“, sagte der Gewerkschafter Simon. Wie der Xbox-Umbau Formen annimmt, war seit dem Sommer absehbar.
Die Blade-Rechnung, die nicht aufgeht
Marvel’s Blade ist kein Nischenprojekt. Es ist ein Superhelden-Spiel mit einer etablierten Marke, entwickelt von einem Studio, das mit Dishonored und Deathloop bewiesen hat, was es kann. Die Produktion läuft seit mindestens 2023. Intern wurde der Release laut The Verge von Ende 2026 auf Ende 2027 verschoben. Das Spiel hat Budget gekostet. Es hat Zeit gekostet. Und jetzt steht es auf der Kippe, weil der Mutterkonzern beschlossen hat, dass Arkane Lyon nicht mehr ins Portfolio passt.
Die Ironie liegt in der Bilanz: Xbox hat 2021 ZeniMax und damit Arkane Lyon für 7,5 Milliarden Dollar gekauft. Jetzt sucht der Konzern einen Käufer für ein Studio, das ein fast fertiges Spiel und 217 erfahrene Entwickler mitbringt. Es ist ein Ausverkauf, der nicht nach Ausverkauf aussieht, sondern nach einem geordneten Rückzug. Und Raphael Colantonio, der Arkane 1999 mitgegründet hat, hat die Frage gestellt, die viele beschäftigt: „Was Arkane angeht … wie viel? Ich frage für einen Freund.“. Der Satz war als Witz gemeint. Colantonio über Dishonored 3 klingt heute anders. Die Situation ist es auch.
Was von Arkane bleibt, wenn die Frist verstreicht
Frankreichs Arbeitsrecht hat Microsoft gezwungen, drei Monate zu warten. Es hat den Konzern aber nicht dazu gezwungen, einen Käufer zu finden. Die Frist läuft am 13. November ab. Wenn bis dahin kein Vertrag unterschrieben ist, greift der Sozialplan. Die Gewerkschaften versuchen, mehr Zeit zu gewinnen, und laut Le Monde werden „mehrere Übernahmeformen“ geprüft. Wie konkret diese Gespräche sind, ist offen. Microsoft selbst sagt lediglich, man suche „aktiv einen Partner, um die nächste Entwicklungsphase und die Vermarktung von Marvel’s Blade zu ermöglichen“.
Für die 217 Menschen bei Arkane Lyon bedeutet das eine Frist, die sie nicht kontrollieren. Sie arbeiten an einem Spiel, das fast fertig ist. Sie arbeiten in einem Studio, das finanziell gesund ist. Und sie arbeiten für einen Konzern, der im selben Jahr über 1600 Stellen gestrichen, fünf Studios abgestoßen hat und dessen CEO von „Rückkehr zu Wachstum“ spricht, während in Lyon die Schließungspläne auf dem Tisch liegen. Der Game Pass als subventioniertes Gift — Colantonio hat das vor Monaten gesagt, und es beschreibt den Konzern besser als jede Quartalsbilanz. Der Wachstumskurs findet woanders statt. In Lyon endet er vermutlich am 13. November.