Tencent investiert Millionen in westliche Markenrechte und wirft das vielversprechendste Konzept kurz vor der echten Produktionsphase auf den Müllberg. Ein umfangreicher Leak enthüllt frühes Gameplay zu Assassin’s Creed Destiny, das als reinrassiges Konsolen-Abenteuer im antiken China geplant war. Statt einer weiteren Smartphone-Auskopplung mit Touch-Bedienung landete ein echter Schleich-Ausflug für PC und Next-Gen-Hardware im Reißwolf.
Brennende Paläste verdrängen die zahme Kulisse
Die durchgesickerten Spielszenen werfen die Meuchelmörder mitten in das Jahr 206 vor Christus. Zu dieser Epoche bricht die Qin-Dynastie in bürgerkriegsähnlichen Unruhen zusammen, was dem Geschehen eine düstere Härte verleiht. Eine weibliche Assassine klettert an den massiven Außenmauern einer belagerten Palastanlage empor, während schweres Artilleriefeuer in den Innenhöfen einschlägt und Dächer entzündet.
Die Mission folgt einem klaren Auftrag: Ein uraltes Artefakt muss vor dem historischen Kriegsherrn Xiang Yu gesichert werden. Das interne Skript der Entwickler ordnet den Feldherrn unmissverständlich den Machenschaften der Templer zu: „Das Artefakt darf unter keinen Umständen in die falschen Hände fallen.“ Laut einem Bericht von MP1st handelte es sich bei dem Projekt um eine vollwertige Produktion für aktuelle Heimkonsolen und PC.
Im Gegensatz zu den weitläufigen Ebenen bisheriger Serienteile setzt das Szenario auf dichte Vertikalität und unbarmherzige Belagerungsstimmung. Nach schnellen Eliminierungen auf den Zinnen folgt ein klassischer Todessprung in die Tiefe, direkt gefolgt von einem Gefecht gegen schwer gepanzerte Palastwachen. Das gezeigte Spielgefühl orientiert sich spürbar an den mechanischen Tugenden der alten Serienteile.
Tödliche Kampfschirme zerlegen die Palastwachen im Nahkampf
Unter der Haube des Prototyps aus dem Februar 2025 schlummerte ein bemerkenswert eigenständiges Arsenal. Die Protagonistin führt einen traditionellen Schirm, der sich per Knopfdruck in eine rotierende Klingenwaffe verwandelt. Das Werkzeug dient gleichermaßen zum Parieren von Projektilen wie zum Aufschlitzen feindlicher Rüstungen im Nahkampfgetümmel.
Gleichzeitig belegen die Animationen eine freie Wahl des Hauptcharakters, da auch ein spielbares männliches Modell im Programmcode existierte. Die Kämpfe laufen flüssig ab, setzen auf direktes Timing beim Kontern und verzichten auf künstliche Schadenszahlen über den Köpfen. Die Zerstörung der Kulisse greift aktiv in die Laufwege ein, wenn brennende Holzstreben einstürzen und neue Kletterrouten freigeben.
Damit grenzte sich Destiny messerscharf von dem Schwesterprojekt Assassin’s Creed Jade ab. Wo Jade für iOS und Android auf komprimierte Texturen und Touchscreen-Eingaben ausgelegt ist, peilte TiMi mit Destiny die volle Rechenleistung moderner Hardware an. Die historische Verankerung im Jahr 206 vor Christus knüpft direkt an die Geschehnisse von Jade an, das neun Jahre früher im Jahr 215 vor Christus angesiedelt ist.
Konzernumbauten opfern spielbare Hoffnung für billige Mobile-Konzepte
Der Todesstoß für das Projekt erfolgte nicht wegen spielerischer Mängel, sondern im Zuge einer radikalen Umstrukturierung. Im Januar 2025 gliederte Tencent die TiMi Studio Group in vier interne Divisionen um. Bei diesem Kahlschlag flogen teure Konsolen-Experimente mit fremden West-Lizenzen rigoros aus den Budgetplänen. Neben Destiny beerdigte das Studio auch das Mythologie-Projekt Athena sowie ein Cyberpunk-Vorhaben unter der Leitung des früheren Serien-Veteranen Ashraf Ismail.
Der Rückzug offenbart das grundlegende Problem in Ubisofts aktueller Lizenzstrategie. Während der französische Publisher eigene Baustellen verwaltet und der geplante Mehrspieler-Ableger Invictus durch katastrophale Testläufe taumelt, scheitert die Auslagerung an asiatische Partner an deren wirtschaftlicher Kehrtwende. Tencent konzentriert seine Ressourcen lieber auf wartungsarme Mobile-Gelddrucker statt auf riskante AAA-Schwergewichte.
Selbst als das hauseigene Remake von Black Flag im Sommer 2026 Rekordverkäufe ablieferte, beantwortete das Management den Erfolg mit Stellenabbau. Mutige Schritte in frische Epochen wie das krisengeschüttelte Kaiserreich China bleiben damit auf der Strecke. Zurück bleibt für Konsolen-Zocker lediglich das Warten auf Codename Hexe, während das fertige Konzept von Destiny für immer im Papierkorb verstaubt.