Borderlands 4 hat seit dem Release im September 2025 einen Großteil seiner aktiven PC-Spielerbasis verloren. Trotz anhaltender Kritik an der technischen Optimierung zeigt sich Take-Two-CEO Strauss Zelnick vom kommerziellen Abschneiden des Looter-Shooters jedoch völlig unbeeindruckt. Zum anstehenden einjährigen Jubiläum sollen neue Premium-Inhalte wie das Bounty Pack 5 die verbleibende Community bei Laune halten, während sich offizielle Aussagen und Leaks beim genauen Release-Datum widersprechen.
Take-Two ignoriert die schwindenden Spielerzahlen auf dem PC
Der Looter-Shooter von Gearbox Software legte im September 2025 einen kommerziell extrem starken Start hin. Laut den Zahlen von SteamDB verzeichnete der Titel in der Launch-Woche einen Höchststand von 304.398 gleichzeitig aktiven Spielern. Doch die anfängliche Euphorie hielt nicht lange an: Technische Probleme und eine als mangelhaft empfundene PC-Optimierung ließen die Steam-Reviews schnell auf ein „ausgeglichenes“ Niveau von 59 Prozent abrutschen. Heute, knapp ein Jahr nach Release, loggen sich im 24-Stunden-Peak nur noch rund 4.600 Spieler ein – ein massiver Einbruch gegenüber dem anfänglichen Rekordwert.
Für den Publisher Take-Two Interactive ist dieser dramatische Rückgang auf dem PC offenbar kein Grund zur Sorge. In einem aktuellen Interview betonte CEO Strauss Zelnick – der sich erst kürzlich optimistisch zur PS6-Entwicklung äußerte –, dass die Performance des Spiels die internen Pläne des Unternehmens in keiner Weise beeinträchtigt habe. Er erklärte, man sei absolut begeistert von der Performance, den Reviews und den Wertungen des Spiels.
Die Diskrepanz zwischen der Unzufriedenheit der PC-Spieler und der Euphorie der Führungsebene erklärt sich durch die nackten Verkaufszahlen: Borderlands 4 dominierte laut dem US-Marktforschungsunternehmen Circana im September 2025 die Umsatzcharts und sicherte sich damit den finanziell erfolgreichsten Launch der gesamten Seriengeschichte.
Verwirrung um das Release-Datum von Bounty Pack 5 und Loveless
Um die verbliebenen Spieler bei der Stange zu halten, setzt Gearbox die Monetarisierung durch kostenpflichtige Zusatzinhalte ungebremst fort. Schon im Februar brachte das Kopfgeldpaket Legend of the Stone Demon neue Ausrüstung, und erst Ende Juli erschien mit „Murders and Acquisitions“ das vierte Bounty Pack. Zwar schätzen Fans einige der Updates, wie das einfache Neustarten von Bossfights, doch die generelle Strategie der kleinen Bezahl-Pakete stößt auf wachsenden Widerstand.
Der nächste große Inhalts-Drop ist für das erste Jubiläum des Spiels im September geplant. Dann sollen das Bounty Pack 5 sowie die neue spielbare Vault-Jägerin Loveless – eine Hackerin, die digitale Viren in physische Waffen verwandeln kann – erscheinen.
Beim genauen Veröffentlichungstermin dieser neuen Inhalte herrscht aktuell jedoch Unklarheit. Während inoffizielle Vorabinformationen explizit den 12. September 2026 – also exakt den ersten Jahrestag des Spiels – als Release-Datum nennen, zeichnet die Kommunikation des Entwicklers ein anderes Bild. Laut der offiziellen Roadmap von 2K und übereinstimmenden Berichten von Branchenmagazinen ist der Launch des Story Pack 2, des Bounty Pack 5 und der Heldin Loveless für den 10. September 2026 im Rahmen des Updates 1.10 geplant. Welche Angabe letztlich stimmt, ist aktuell unklar.
Die Community fordert kostenlose Updates statt Premium-DLCs
Die Strategie von Gearbox, in kurzen Abständen kleine, kostenpflichtige Inhalts-Pakete zu veröffentlichen, stößt innerhalb der Community auf wachsenden Widerstand. Die sogenannten Bounty Packs bieten zwar neue kosmetische Items und gelegentliche Bosskämpfe, werden jedoch von vielen Spielern als zu kurz und inhaltlich zu dünn empfunden. Auf Plattformen wie Steam und in diversen Foren mehren sich die Stimmen, die das Preis-Leistungs-Verhältnis der Zusatzinhalte kritisieren. Für das kürzlich veröffentlichte Bounty Pack 4 verlangte der Publisher 5,99 US-Dollar.
Besonders die anhaltenden technischen Probleme der PC-Version befeuern den Unmut der Basis. Obwohl Entwickler Gearbox mit dem Update 1.5 im März 2026 laut eigenen Angaben Performance-Steigerungen von bis zu 20 Prozent erzielen konnte, kämpfen Nutzer mit schwächerer Hardware weiterhin mit unregelmäßigen Framerates und Abstürzen.
Einige Spieler fordern laut Berichten deshalb offen, dass kleinere Erweiterungen wie die Bounty Packs als kostenlose Wiedergutmachung für die anfänglichen Optimierungs-Fehler verteilt werden sollten, statt sie hinter einer Bezahlschranke zu verbergen. Dass Take-Two diesem Wunsch nachkommen wird, gilt angesichts der positiven internen Bewertung des bisherigen Umsatzes durch Strauss Zelnick jedoch als unwahrscheinlich.
Looter-Shooter am Scheideweg: Reicht ein neuer Charakter für das Comeback?
Der unbeirrbare Optimismus von Take-Two zeigt deutlich, wie sich die Prioritäten in der Spieleindustrie verschoben haben. Solange die initialen Verkaufszahlen und die Mikrotransaktionen stimmen, verkommt der langfristige Erhalt einer aktiven Spielerbasis auf dem PC zur Nebensache. Gearbox wird mit Loveless und dem Bounty Pack 5 zweifellos die Kern-Fans zurückholen, die bereits in die teureren Editionen investiert haben.
Um jedoch die knapp 300.000 Spieler zurückzugewinnen, die den Titel seit dem Launch auf Steam verlassen haben, braucht es mehr als einen neuen Hacker-Charakter und kosmetische Items. Das zweite Jahr von Borderlands 4 muss tiefgreifende technische Verbesserungen liefern, sonst mutiert der ehemals unantastbare König der Looter-Shooter endgültig zum Nischentitel.