Microsoft stattet Copilot mit einer praktischen neuen Funktion aus: „PC Insights“ soll künftig Fragen zur Systemleistung beantworten, CPU-Auslastung analysieren und Engpässe identifizieren. Klingt sinnvoll. Nur hat das Tool ein grundlegendes Problem – es ist selbst einer der größten RAM-Verbraucher auf dem eigenen System. PC Gamers Analyse der PC-Insights-Funktion hat dokumentiert, dass Copilot im Hintergrund rund 560 MB RAM belegt – Tendenz steigend. Und Reddit amüsiert sich.
Die PC-Insights-Funktion: Was Copilot neu kann
Die Copilot-Web-App (basiert auf Microsoft Edge) bekommt Zugriff auf Windows-APIs, die Systemdaten abfragen können. Statt nur Chat-Fragen zu beantworten, kann Copilot künftig sagen, wie hoch die CPU-Auslastung ist, ob genug Speicherplatz für ein 100 GB Spiel vorhanden ist oder welche Grafikkarte verbaut ist. Auch die Frage „Läuft mein Virenscanner noch?“ soll möglich sein – ohne dass der Nutzer dafür den Task-Manager öffnen muss. Das Feature rollt aktuell für US-Nutzer aus.
Klingt praktisch – besonders für weniger technikaffine Nutzer, die nicht wissen, wo sie im System nach diesen Informationen suchen müssen. Windows Latest hat die Funktion zuerst dokumentiert.
Das Problem: Copilot selbst ist kein Leichtgewicht. Windows Latest maß 791,7 MB RAM im Leerlauf. PC Gamers Test liegt bei rund 560 MB – und macht die Copilot-Web-App damit zur drittgrößten RAM-Sau auf dem Testsystem.
Die Ironie des Diagnostikers
PC Gamer fasst es treffend zusammen: Microsoft hat Copilot beigebracht, zu erklären, warum der PC langsam ist – und Copilot selbst ist ein nicht unerheblicher Teil des Problems. Wer etwa auf einem System mit 16 GB RAM (der häufigsten Konfiguration unter Gamern, laut Steam Hardware Survey) Copilot im Hintergrund laufen lässt, verliert rund 5 Prozent seines Arbeitsspeichers allein an die KI. Bei einer Edge-Instanz, die ohnehin schon als Speicherfresser bekannt ist. 560 MB sind nicht dramatisch – aber sie kratzen an der Glaubwürdigkeit einer Funktion, die genau solche Engpässe identifizieren soll.
Auf Reddit hat der Thread dazu auf r/pcgaming über 1.500 Upvotes gesammelt. Die Kommentare fassen die Stimmung zusammen: „Copilot sagt dir jetzt, was deinen PC ausbremst – und braucht selbst 1 GB RAM dafür.“ Ein Nutzer auf r/pcmasterrace spitzte zu: „Microsofts brillante Lösung für Copilot, das 1 GB RAM frisst, ist eine Funktion, die dir sagt, dass Copilot 1 GB RAM frisst.“
Und die Frage bleibt: Schaltet sich Copilot ab, wenn es den eigenen Ressourcenverbrauch diagnostiziert? Natürlich nicht.
Was die Debatte über Copilot wirklich sagt
So absurd die Situation wirkt – sie ist kein Einzelfall. Die WhatsApp-Desktop-App, inzwischen ebenfalls als Web-App realisiert, frisst regelmäßig über 1 GB RAM. Und Microsoft selbst hat zugesagt, Windows 11 schlanker zu machen – Dave Plummers Notepad zeigt, wie viel mit weniger ginge. Doch während Microsoft KI-Features nachschärft, steigen die Hardware-Anforderungen. Copilot+ setzt mindestens 16 GB RAM voraus – die anhaltende RAM-Preiskrise macht Speicher-Upgrades aktuell teuer.
PC Gamer schreibt dazu: „Obwohl Microsoft in den letzten Monaten versprochen hat, Windows 11 schlanker zu machen, fühlt es sich immer noch wie ein aufgeblähtes Betriebssystem an – im Vergleich zu praktisch jedem anderen Betriebssystem.“ Und: „Ich begrüße die Idee, dass Copilot weniger versierten Nutzern bei Systemproblemen helfen kann – aber eine der nützlichsten Sachen, die Copilot tun könnte, wäre, sich selbst auszuschalten.“
Dazu kommt: Microsoft hat auf Anfragen von PC Gamer nicht reagiert. Das Schweigen passt ins Bild.