Die X-Men kommen in Marvel’s Wolverine nicht vor. Klingt nach einer Enttäuschung, ist aber das beste Zeichen, das uns Insomniac bisher geben konnte: Dieses Spiel konzentriert sich auf Logan. In einem ausführlichen Gespräch mit Entertainment Weekly hat Narrative Director Walt Williams erklärt, warum die Mutantengruppe schlicht noch nicht existiert – und wie Team X stattdessen zur neuen Heimat des Kämpfers wird.
Team X statt X-Men: Wo Logan wirklich zu Hause ist
Was bei der Ankündigung wie eine Lücke im Marvel-Universum wirkte, entpuppt sich als bewusste Setzung: Menschen kennen Superhelden wie Spider-Man, aber Mutanten leben im Verborgenen. „Die meisten, die von ihnen wissen, fürchten sie oder sehen sie als Zielscheibe der Vernichtung“, erklärt Entertainment Weekly unter Berufung auf Williams. Logan arbeitet für Team X, eine aus den Comics inspirierte Black-Ops-Einheit, die um das Überleben der Mutanten kämpft. Wer jetzt denkt, Team X sei eine frühe Version der X-Men – Fehlanzeige. Es ist kein Vorläufer, sondern eine eigenständige Operation. Der Prequel-Comic, den Williams selbst geschrieben hat, zeichnet genau dieses Verhältnis nach: Logan in einer Einheit, die nicht nach Rettung, sondern nach Überleben fragt.
Williams bringt die Haltung des Studios auf den Punkt: „Wir mussten die Leute daran erinnern, dass Mutanten Außenseiter sind.“ Logan sei der Mutant schlechthin – ein Außenseiter unter Außenseitern. Wo Spider-Man in New York gefeiert wird, kämpft Wolverine im Schatten. Der Ton des Spiels folgt aus dieser Grundierung: kein freundlicher Nachbarschaftshelfer, sondern ein Mann, der von einem „lebenslangen Schmerz“ getragen wird, den er in sich tragen muss.
Eine Frage des Fokus: Warum weniger hier mehr ist
Auf den ersten Blick mag der Verzicht auf die X-Men wie eine Einschränkung wirken. Aber er befreit Insomniac von der Erwartung, ein ganzes Ensemblestück erzählen zu müssen. Creative Director Marcus Smith erklärte gegenüber GamesRadar, dass man sich auf „eine Wolverine-Storyline“ konzentrieren wollte – und eine Welt aufbaue, in der Mutanten zwar bekannt, aber nicht das Zentrum der Erzählung sind. Die Entscheidung erinnert an den radikalen Bruch, den Insomniac bereits mit der eigenen Open-World-Tradition vollzogen hat: Statt eines Sandkastens mit Nebenquests wird Wolverine ein lineares, comic-inspiriertes Abenteuer.
Das heisst nicht, dass das Marvel-Universum leer bleibt. Jean Grey ist an Bord, Sabretooth taucht als widerwilliger Verbündeter auf – die Dynamik zwischen Logan und seinem Erzfeind bleibt bewusst ambivalent – und Mystique sowie ein noch unbestätigter Nathaniel Essex (Mr. Sinister) sind im Trailer zu sehen. Aber Spider-Man? Fehlanzeige. Jon Paquette stellte gegenüber IGN klar, dass es keinen Crossover geben wird, obwohl das Spiel im selben Universum (Earth-1048) spielt. Die klare Trennung schützt beide Welten davor, sich gegenseitig zu verwässern.
Fünf Wochen bis zum Release: Was wir noch wissen müssen
Marvel’s Wolverine erscheint am 15. September 2026 exklusiv für PS5 – und das zu einem Zeitpunkt, an dem sich viele Publisher vor GTA 6 in Sicherheit bringen. Insomniac hält trotzig am Herbstfenster fest. Die Standard-Edition liegt bei 79,99 Euro, die Digital Deluxe Edition bei 89,99 Euro. Wer zur physischen Version greift, bekommt eine Disc – Insomniac hat sich bewusst gegen den Code-in-the-Box-Trend gestellt, den Rockstar bei GTA 6 vorlebt.
Dass Wolverine nicht auf den PC kommt, passt ins Bild: Sony scheint sich von der Strategie der konsolen-verzögerten Exklusiv-Ports zu verabschieden – ein Thema, das wir vor einiger Zeit analysiert haben. Ob der Verzicht auf die X-Men und der Fokus auf Logan den Preis von 80 Euro rechtfertigt, wird sich zeigen müssen – aber die bisher gezeigten Trailer machen eines klar: Das ist kein Spiel, das sich für seine Entscheidungen entschuldigt.