State of Decay 3 ist eines der am längsten erwarteten Xbox-Spiele. Seit der Ankündigung im Jahr 2020 hat sich das Projekt durch eine Achterbahn aus Verschiebungen, Gerüchten und internen Problemen gekämpft. Jetzt, im September 2026, hat sich Undead Labs von Microsoft getrennt und ist ein unabhängiges, mitarbeitergeführtes Studio. Doch die Nachricht, die wie eine Befreiung klingen könnte, kommt mit einem bitteren Beigeschmack: Das Studio hat „significant“ – also erhebliche – Entlassungen angekündigt. Studioleiter Philip Holt versichert, der Launch von State of Decay 3 sei nicht betroffen. Aber die Frage bleibt: Wie viel Substanz hat diese Versicherung?
Ein Studio wird unabhängig
Die offizielle Ankündigung ist deutlich: Undead Labs hat die Trennung von Xbox abgeschlossen und operiert nun als unabhängiges, mitarbeitergeführtes Studio. Das Spiel befindet sich derzeit in der Alpha-Phase, und das Team arbeitet weiterhin auf das zuvor angekündigte Ziel hin, vor Ende des Jahres in eine Closed Beta zu gehen. Der Release ist weiterhin für 2027 auf Xbox, Game Pass, PC und PlayStation geplant.
Für Philip Holt ist die Unabhängigkeit ein Schritt zurück zur Community. „Die Unabhängigkeit bringt uns näher an unsere Community und lässt uns auf das konzentrieren, was am wichtigsten ist: die bestmöglichen Spiele zu machen und die fortgesetzte Unterstützung der Menschen zu verdienen, die ihre Zeit mit uns verbringen wollen“, sagt er. Es ist ein Satz, der nach Aufbruch klingt. Er sagt aber nichts über die Menschen, die diesen Aufbruch nicht mitgehen dürfen.
„Significant“
Die Ankündigung der Entlassungen erfolgte über LinkedIn. „Leider verabschieden wir uns heute auch von einer erheblichen Anzahl unserer Kollegen“, heißt es in dem LinkedIn-Post des Studios. „Es ist schwer, diesen Moment zu erreichen, in dem man weiß, dass nicht jeder, der uns hierher gebracht hat, den Rest der Reise mit uns machen darf.“ Der Post nennt die Entlassenen „außergewöhnlich talentierte Entwickler“, die jahrelang in die State of Decay-Franchise investiert haben. Ihre Arbeit bleibe Teil von Undead Labs und Teil von State of Decay 3.
Wie viele Mitarbeiter genau gehen müssen, sagt das Studio nicht. Die Formulierung „significant“ lässt Raum für Interpretation – und für Spekulation. Es ist nicht die erste Entlassungswelle, die Undead Labs trifft. Bereits im vergangenen Jahr gab es Berichte über Stellenstreichungen im Zuge der Xbox-Restrukturierung. Die frühere Entlassungswelle war ein Vorbote dessen, was nun offiziell bestätigt wurde: Ein Studio, das ums Überleben kämpft, während es an einem seiner größten Projekte arbeitet.
Der Launch, der nicht wackeln soll
Philip Holt hat auf die Entlassungen reagiert. In einem Statement gegenüber IGN sagt er: „State of Decay 3 bleibt in aktiver Entwicklung, und diese Änderungen werden den Launch des Spiels nicht beeinträchtigen. Das Team arbeitet weiterhin nach Plan, und wir bleiben unserem Ziel verpflichtet, die Erfahrung zu liefern, auf die unsere Community gewartet hat.“ Es ist die Standardformel in solchen Situationen. Sie soll beruhigen. Sie tut das nur bedingt.
Denn der Closed-Beta-Start ist für Ende des Jahres geplant, und der Release für 2027. Das ist ein straffer Zeitplan für ein Team, das gerade einen erheblichen Teil seiner Belegschaft verloren hat. Das Statement von Philip Holt ist eine Versicherung, keine Garantie. Und Versicherungen sind in dieser Branche nichts wert, wenn die nächste Entlassungswelle kommt.
Die Schatten der Vergangenheit
State of Decay 3 wurde im Jahr 2020 mit kaum mehr als einem cineastischen Trailer angekündigt – und mit einem Word-Dokument, wie Holt später zugab. Es folgten Jahre der Stille, unterbrochen von Vorwürfen eines toxischen Arbeitsumfelds und Sexismus, die die Entwicklung lange Zeit ausbremsten. Das Spiel läuft auf Unreal Engine 5 und erhielt Unterstützung vom Gears of War-Entwickler The Coalition. Nach der angeblichen Entlassungswelle im vergangenen Jahr ging State of Decay 3 im Mai in eine Closed Alpha, in der Teilnehmer Basenbau, Koop und andere neue Features ausprobieren konnten. Die Alpha-Gameplay-Einblicke zeigten Licht und Schatten.
Immerhin: Das Spiel bleibt im Game Pass. Das war nicht immer sicher. Nach früheren Berichten gab es Zweifel, ob State of Decay 3 zum Launch im Abo enthalten sein würde. Die Game Pass Unsicherheit ist nun ausgeräumt. Was bleibt, ist ein Studio, das sich nach 15 Jahren von seinem Mutterkonzern gelöst hat, um unabhängig zu sein – und dabei einen Preis zahlt, den nicht alle tragen können. Ob die Unabhängigkeit State of Decay 3 beflügelt oder ob die Entlassungen eine Wunde hinterlassen, die das Spiel nicht heilen kann, wird sich 2027 zeigen. Philip Holt sagt, das Team arbeite nach Plan. Die Vergangenheit lehrt, dass Pläne sich ändern.