Valve hat die Preise für seine lang erwartete Steam Machine bekannt gegeben – und sie liegen genau dort, wo Pessimisten sie befürchtet haben: jenseits der magischen Tausend Dollar Marke, genauer gesagt: 1.049 Dollar für 512 Gigabyte Speicher. Das eigentliche Gesprächsthema ist aber nicht der Preis, sondern das System, mit dem Valve an die Kunden kommen will.
Die Preise im Überblick
Für die 512-GB-Variante verlangt Valve 1.039 Euro (1.049 Dollar). Wer auf die 2-TB-Version setzt, zahlt 1.359 Euro (1.349 Dollar). Wer den neuen Steam Controller gleich mitnehmen will, legt noch einmal knapp 70 Euro drauf – 1.108 Euro für das 512-GB-Bundle, 1.428 Euro für die 2-TB-Variante inklusive Controller. Die 2-TB-Bundles enthalten zusätzlich zwei austauschbare Faceplates: roter Stoff und massives Walnussholz.
Damit kostet die günstigste Steam Machine mehr als doppelt so viel wie eine PlayStation 5 oder Xbox Series X. Selbst die PS5 Pro (799 Euro) ist günstiger. Valves ursprüngliches Versprechen von einem „wettbewerbsfähigen Preis“, das Hardware-Ingenieur Yazan Aldehayyat im November 2025 noch gab, ist Geschichte. Wie die Kollegen von Kotaku in ihrer Preisanalyse zusammenfassen: Der Preis ist hoch, aber nicht unerwartet – die RAM-Krise hat die gesamte Branche im Griff.
Kein F5-Wettrennen: Das Anti-Scalper-System
Valve öffnet ab sofort bis zum 25. Juni ein Reservierungsfenster auf Steam. Die entscheidende Besonderheit: Nach Ablauf der Frist werden alle Anmeldungen per Zufallsprinzip in eine Reihenfolge gebracht. Es gibt keinen Vorteil für den, der als Erster klickt.
Valve selbst begründet das so: Ein Launch zu einem bestimmten Zeitpunkt belohne „Bots, Menschen mit schnellen Internetverbindungen, talentierte Gamer-Finger für blitzschnelle F5-/Refresh-Reaktionen und solche, die ihr Leben um diesen Moment herum planen können“. Genau das will das Unternehmen verhindern. Das längere Zeitfenster erlaube zudem eine „zusätzliche Validierung der Anmeldungen, um sicherzustellen, dass es sich um echte Accounts handelt – maximal einer pro Haushalt“.
Die Teilnahme setzt voraus: ein Steam-Account in gutem Zustand und mindestens ein Kauf vor dem 27. April 2026. Valve behält sich vor, Anmeldungen anhand von Zahlungsmethode und Lieferadresse zu überprüfen und bei Verstößen zu streichen. Wer nach dem 25. Juni reserviert, landet automatisch am Ende der Warteliste. Die erste Lieferwelle startet am 29. Juni. Wer eine Reservierungs-E-Mail erhält, hat 72 Stunden Zeit zum Kauf.
Warum die Steam Machine so teuer ist
Die Preisgestaltung ist keine Willkür, sondern das Ergebnis einer beispiellosen Marktlage. Valve erklärt in der Ankündigung, dass sich die Beschaffungskosten für RAM und Speicherkomponenten in den letzten 14 Monaten „schnell und signifikant verändert“ hätten. Das ursprüngliche Preisziel sei nicht mehr haltbar.
Die Zahlen bestätigen das: Allein die Preiserhöhung beim Steam Deck OLED um bis zu 46 Prozent zeigte, wie sehr die RAM-Krise Valve getroffen hat. Dass die Steam Machine mit 16 GB DDR5 und 8 GB GDDR6-VRAM noch härter getroffen wird, liegt auf der Hand. Wie TechPowerUp in der Preisübersicht festhält: Der Aufschlag von 300 Dollar für 2 TB statt 512 GB liegt über dem, was eine 2-TB-NVMe-SSD im Einzelhandel kostet – ein Zeichen dafür, wie knapp Speicher aktuell ist.
Die Steam Machine Preisanalyse zeigte bereits vor Wochen, dass Valves interne Preisziele deutlich über dem Steam Deck Niveau lagen. Ein halbes Jahr vor dem Launch kostete ein 16-GB-DDR5-Modul im Einkauf noch 50 Dollar – heute ist es ein Vielfaches.
Was die Steam Machine für den Markt bedeutet
Valve tritt mit einer Hardware an, die preislich zwischen Mittelklasse-PC und Premium-Konsole liegt, aber technisch eher zwischen Xbox Series S und PS5 anzusiedeln ist. Die semi-custom AMD-RDNA3-GPU mit 28 Compute Units liefert solide 1080p-Leistung, aber Raytracing bringt die Framerate laut frühen Tests auf 30 fps zum Einbrechen.
Der Unterschied zu PlayStation und Xbox bleibt die offene Plattform: Die gesamte Steam-Bibliothek ist theoretisch spielbar, und das Steam Machine Verified Programm stellt sicher, dass Tausende Steam-Deck-verifizierte Titel sofort laufen. Ob das den Aufpreis rechtfertigt, entscheidet letztlich der Markt – der 2014 bereits eindeutig gegen die ersten Steam Machines votiert hat. Der Steam Machine Marktkontext zeigt: Damals scheiterten die OEM-Kisten an Preisen zwischen 800 und 1.000 Dollar, während die PS4 für 399 Dollar im Regal stand. Zwölf Jahre später wiederholt sich die Geschichte – nur dass Valve diesmal selbst das Risiko trägt.