Valve hat sich etwas einfallen lassen. Kein wildes F5-Gedrücke, keine Bots, die tausend Konten gleichzeitig durchs Reservierungssystem jagen – stattdessen ein entspanntes Zeitfenster, Zufallsprinzip, Account-Prüfung. Klingt gut, hat aber nicht funktioniert. Wenige Tage nachdem Valve die Reservierungen für die Steam Machine geöffnet hat, stehen die ersten Exemplare auf eBay – und zwar zu Preisen, die selbst eingefleischte Valve-Fans schlucken lassen. 3.699,99 Dollar für die 2-TB-Version mit Controller, 3.250 Dollar für das Basismodell. Das ist nicht mehr Scalping, das ist eine Ansage. Und sie zeigt vor allem eines: Valves schlaues System hat eine einzige Schwachstelle – den Menschen, der seine Reservierung verkauft.
Valve wollte Scalper verhindern – und hat es nicht geschafft
Das System klang auf dem Papier nach der elegantesten Lösung seit Jahren. Valve öffnete vom 22. bis 25. Juni ein Reservierungsfenster, zog nach Ablauf per Zufallsprinzip die Reihenfolge und prüfte Accounts auf Echtheit. Wie wir bereits bei der Steam Machine Reservierung dokumentiert haben: Kein Vorteil für Schnellklicker, keine Bots – zumindest in der Theorie. „Ein Launch, der an einem bestimmten Tag und zu einer bestimmten Uhrzeit startet, belohnt Bots, Leute mit schnellen Internetverbindungen, talentierte Gamer-Finger und diejenigen, die ihr Leben um diesen Moment herum planen können“, erklärte Valve in der FAQ. Die Praxis sieht anders aus.
Wie Tom’s Hardware in seiner Scalper-Analyse berichtet, sind direkt nach der Verteilung der Reservierungs-E-Mails hunderte eBay-Listings aufgetaucht. Valve hatte zwar strenge Regeln: Der Account musste vor dem 27. April 2026 einen Kauf getätigt haben, maximal eine Steam Machine pro Haushalt. Doch ein funktionierender Account mit Kaufhistorie ist für Profi-Scalper kein Hindernis – das ist eine Investition.
Dreifacher Preis, doppeltes Risiko
Die Zahlen auf eBay sprechen eine deutliche Sprache. Das günstigste 512-GB-Modell ohne Controller startet bei Valve für 1.049 Dollar. Auf eBay beginnen die Gebote beim Doppelten. Ein erfolgreiches Angebot für die 512-GB-Version mit Controller ging für 1.500 Dollar über den Tisch – ein direkter Aufschlag von fast 400 Dollar. Die Spitze markiert ein Listing für die 2-TB-Version mit Controller: 3.699,99 Dollar, satte 159 Prozent über dem offiziellen Preis von 1.428 Dollar.
Dazu kommt ein Detail, das die Sache noch absurder macht: Wie Tom’s Hardware feststellt, wird der erste Batch der Steam Machine mit nur einem 16GB RAM-Stick ausgeliefert. Single-Channel statt Dual-Channel. Wer bei Scalpern zuschlägt, zahlt nicht nur den dreifachen Preis – er bekommt auch noch die technisch schwächste Version des Geräts. Die Analyse zur Steam Machine und der Hardware-Szene zeigt, dass die Debatte um den tatsächlichen Wert der Konsole längst in der Community tobt.
1.050 Dollar sind schon hart – 3.700 Dollar sind irre
Reden wir über das, was man für 3.700 Dollar tatsächlich bekommen könnte. Eine PS5 Pro für 799 Euro, eine Xbox Series X für 499 Euro und dann noch ein Steam Deck OLED für 679 Euro – das macht 1.977 Euro. Also entspannt zwei High-End-Konsolen, einen Handheld und noch Geld für Spiele übrig. Stattdessen eine Steam Machine, die von der Leistung her irgendwo zwischen Xbox Series S und PS5 liegt, Raytracing auf 30 fps runterbricht und in der ersten Revision nur Single-Channel-Speicher bietet.
Der Markt gibt dem Ganzen eine düstere Untermalung: Der Mai 2026 war der schwächste Monat für Konsolenverkäufe seit Jahren, wie aktuelle Daten zeigen. PS5 und Xbox Series X verkaufen sich so schlecht wie lange nicht. In dieses Klima platzt eine 1.050 Dollar Mini-PC-Konsole, die auf eBay für das Dreifache gehandelt wird. Die Frage ist nicht, ob Scalper verrückt sind – die Frage ist, ob es tatsächlich Leute gibt, die diese Preise zahlen.
Der RAM, der alles erklärt
So bescheuert die Scalper-Preise sind – sie sind nur die Spitze eines Eisbergs, den Valve nicht selbst verantworten kann. Pierre Loup Griffais, Valve-Ingenieur, hat in einem Interview offengelegt, wie ohnmächtig selbst ein Milliardenunternehmen gegenüber den RAM-Herstellern ist. „Es gibt keinen Vertrag, gar nichts. Die geben uns jeden Monat einen Preis und sagen: ‚So viele könnt ihr kaufen, ja oder nein.‘ Und wenn wir nein sagen, reden sie nie wieder mit uns.“ Wir haben diese drastische Offenbarung zur RAM-Krise ausführlich eingeordnet. Das ursprüngliche Preisziel von rund 750 Dollar ist Geschichte – die RAM-Preise sind explodiert, weil Samsung, SK Hynix und Micron ihre Produktion längst auf KI-Speicher (HBM) umgestellt haben.
Valve verkauft die Steam Machine angeblich ohne Gewinnmarge. Ob das stimmt, lässt sich schwer überprüfen. Fest steht: Selbst wenn Valve keine einzige Dollar Marge nimmt, bleibt der Preis bei 1.049 Dollar. Und fest steht auch: Die Scalper-Problematik wird sich nicht lösen, solange die Nachfrage das Angebot so deutlich übersteigt. Valve hat sich etwas dabei gedacht – aber Gedanken allein halten keine Reseller auf.