Marvel’s Wolverine ist fertig – und Insomniac Games schickt Logan mit einem letzten emotionalen Paukenschlag ins Rennen. Der neue Live-Action-Trailer zeigt keine neuen Gameplay-Szenen, sondern normale Menschen in Stressmomenten, die sich in den zähesten Mutanten der Welt hineinversetzen. In wenigen Tagen erscheint das PS5-Exklusivspiel, doch die Diskussionen um Linearität und Gewalt reißen nicht ab.
Der Trailer, der keine Antworten liefert – und genau das ist die Antwort
Ein Mann sitzt im Stau, die Fäuste geballt. Eine Frau steht vor ihrem Chef und hält den Mund. Ein Schüler wird auf dem Pausenhof bedrängt. Der neue Live-Action-Trailer von Marvel’s Wolverine zeigt keine Superhelden, keine Sentinels, keine Adamantium-Krallen, die durch Metall schneiden. Er zeigt Menschen. Und dann, für den Bruchteil einer Sekunde, blitzen die Klauen auf – im Geiste, nicht in der Realität.
Das ist cleveres Marketing für ein Spiel, das keine neuen Gameplay-Details mehr nötig hat. Der Launch-Trailer von Anfang September hat bereits Bolivar Trask als Hauptantagonist etabliert, einen Industriellen, der mit Sentinels Mutanten aufspüren und gefangen nehmen kann. Jean Grey, Mystique, Sabretooth, Omega Red und Lady Deathstrike tauchten im Trailer auf – das Who’s Who der X-Men-Lore wurde in wenigen Minuten abgefeuert.
Der neue Live-Action-Trailer geht einen anderen Weg. Er verkauft kein Gameplay, er verkauft ein Gefühl: die unterdrückte Wut, die jeden irgendwann packt. Logan ist kein strahlender Held wie Spider-Man. Er ist der Typ, der zuerst zuschlägt und dann Fragen stellt. Wenn der Trailer eines deutlich macht, dann das: Dieses Spiel will nicht gefallen. Es will wehtun.
Brutaler als Spider-Man, linearer als gedacht – die ersten Stimmen
Die ersten Reviews zeichnen ein zwiespältiges, aber überwiegend positives Bild. Kritiker loben das brutale, blutige Kampfsystem: Logan zerfetzt Gegner mit seinen Klauen, das Rage-Meter belohnt aggressive Kettenangriffe, und die Actionsequenzen gehören laut mehreren Stimmen zum Intensivsten, was 2026 auf der PS5 zu sehen ist. Ein Reviewer nannte Marvel’s Wolverine bereits jetzt „die beste Spielumsetzung von Wolverine überhaupt“ – und setzte sie damit über Klassiker wie X-Men Origins: Wolverine.
Doch es gibt auch klare Kritik. Die lineare Struktur, die Insomniac bewusst gewählt hat, sorgt bei einigen Testern für Ernüchterung. Die Erkundung der Spielwelt sei teilweise monoton, einzelne Areale zu groß, die Atmosphäre an manchen Stellen wiederholend. Ein Kritiker merkte an, dass Marvel’s Wolverine „zu stark an seine spirituellen Vorgänger erinnert“ und von einer kompakteren, fokussierteren Struktur profitiert hätte. Der Metacritic-Schnitt liegt aktuell bei 78 Punkten, OpenCritic bei 81 – solide Werte, aber deutlich unter den Spider-Man-Meilensteinen.
Bemerkenswert ist, wie Insomniac mit dieser Kritik umgeht. Man könnte argumentieren, dass die lineare Struktur kein Fehler, sondern eine logische Konsequenz des Charakters ist. Logan ist kein Netzweber, der durch Manhattan schwingt. Er ist ein Einzelkämpfer, ein Berserker, ein Mann, der durch enge Gänge prescht und nicht durch offene Welten gleitet. Die Frage ist nur, ob die Spieler diese Design-Entscheidung akzeptieren – oder ob sie das Gefühl haben, dass Insomniac sich selbst kopiert, statt etwas Neues zu wagen. Wer sich vorab ein eigenes Bild machen will, findet in den bisherigen Gameplay-Szenen reichlich Material.
„Wir sind Kummer gewohnt“ – Insomniacs gelassener Umgang mit dem Backlash
Marvel’s Wolverine ist nicht das erste Spiel von Insomniac, das hitzige Diskussionen auslöst. Schon Spider-Man 2 musste sich Kritik an Anzügen, Story-Entscheidungen und Charakter-Designs gefallen lassen. Game Director Mike Daly hat für diese Dynamik eine ebenso pragmatische wie ehrliche Erklärung: „Wir sind Kummer gewohnt“, sagte er im Interview mit TheGamer. „Das gehört einfach dazu.“
Daly geht noch weiter. Er nennt die leidenschaftlichen Reaktionen der Fans ein „gutes Problem“ – denn sie zeigen, dass die Community sich kümmert. Seine Gelassenheit speist sich aus einer klaren Priorität: „Ich bin entspannt, weil unser Ziel nie war, diese Dinge zu erfüllen, über die sich Leute beschweren. Unser Ziel war es, das beste Spiel für diesen Charakter zu machen.“
Diese Haltung ist bemerkenswert in einer Branche, in der Studios nach jedem Shitstorm gerne in Panik verfallen, Patches nachschieben oder sich öffentlich entschuldigen. Insomniac hat mit Spider-Man bewiesen, dass es Qualität abliefern kann – und mit Wolverine geht das Studio bewusst das Risiko ein, nicht jeden glücklich zu machen. Das ist kein Zufall. Es ist Strategie. Wer wissen will, wie radikal sich das Studio dabei von seinen eigenen früheren Spider-Man-Traditionen löst, findet dort die entscheidenden Unterschiede.
Disc, Preis und der endgültige Launch – was Käufer wissen müssen
Während die Diskussionen um Gameplay und Design weitergehen, ist die technische Seite des Launches geklärt. Marvel’s Wolverine erscheint am 15. September exklusiv für PS5 – und die physische Version enthält das vollständige Spiel auf Disc, offline spielbar, ohne zwingenden Day-One-Patch. Angesichts von Sonys Plänen, ab Januar 2028 komplett auf digitale Releases umzusteigen, ist das ein Signal, das Sammler und Offline-Fans aufhorchen lässt.
Preislich liegt die Standard Edition bei 79,99 Euro, die Digital Deluxe Edition bei 89,99 Euro und bietet fünf exklusive Anzüge, fünf Krallen-Designs und vier Technikpunkte. Wer die Standard-Version kauft, kann später für zehn Euro upgraden. Die Preload-Phase läuft bereits, der Download umfasst rund 80 Gigabyte.
Doch die entscheidende Frage bleibt: Rechtfertigt das Spiel den Vollpreis? Die ersten Reviews deuten auf ein solides, handwerklich starkes Actionspiel hin, das seine Stärken im Kampf und in der Charakterzeichnung hat, aber nicht die erzählerische Wucht und spielerische Freiheit von Spider-Man erreicht. Für Fans des Charakters und der X-Men-Lore dürfte das dennoch reichen. Für alle anderen ist es eine Frage der Erwartungshaltung – und die passenden PS5-Bundles gibt es bereits jetzt.
