Insomniac Games feiert den Launch von Marvel’s Wolverine auf der PlayStation 5, sieht sich zeitgleich aber mit ersten spürbaren Diskussionen um das Spieldesign konfrontiert. Während die schauspielerische Leistung und die düstere Grundstimmung viel Lob ernten, spalten lineare Pfade und aufdringliche Führungshilfen die Fachpresse. Das Studio reagiert prompt auf die Kritik und stellt zeitnahe Nachbesserungen für das Kampfsystem und die Zielsuche in Aussicht.
Offenes Ohr am Veröffentlichungstag
In einer offiziellen Stellungnahme bedankte sich Insomniac Games pünktlich zum Verkaufsstart bei den Spielern, kündigte aber gleichzeitig aktive Nachbesserungen an. Fünf Jahre nach der ersten Ankündigung im Herbst 2021 landet das Action-Adventure endlich im Handel, trifft dort jedoch auf ein überraschend zweigeteiltes Echo. Neben begeisterten Stimmen mischt sich spürbare Ernüchterung unter die ersten Testberichte.
Das Studio wählt die Flucht nach vorn. Anstatt die Einwände totzuschweigen, betont das Team die eigene Lernbereitschaft: „Wir sind unglaublich stolz auf das, was das Team geschaffen hat. Gleichzeitig tauschen wir uns aktiv mit unserer Community aus und sammeln Feedback, um das Spielerlebnis weiter zu verfeinern.“
Dieser Schritt beweist Größe, offenbart aber auch Nervosität in den eigenen Reihen. Wenn ein PlayStation-Flaggschiff bereits an Tag eins über nötige Verfeinerungen spricht, haben die Vorabberichte einen empfindlichen Nerv getroffen. Zwar feiern Fans die packende Darbietung von Liam McIntyre in der Hauptrolle und die düstere Handlung rund um Team X, doch spielerisch hakt es an zentralen Stellen.
Die Debatte um Logans feine Nase
Im Zentrum des Unmuts steht eine Mechanik, die eigentlich für Atmosphäre sorgen sollte. Um Logans ausgeprägte Sinne darzustellen, blenden die Entwickler leuchtende Duftspuren ein, die geradewegs zum nächsten Ziel führen. Was auf dem Papier nach cleverer Detektivarbeit klingt, verkommt in den Missionen zur ständigen Bevormundung. Tester und Zocker kritisieren gleichermaßen, dass dieser visuelle Leitfaden dem Abenteuer jede Eigeninitiative raubt.
Marketing-Direktor James Stevenson versuchte im Vorfeld zu beschwichtigen und erklärte, dass die Fährten keineswegs pausenlos aktiv seien. Der Eindruck übertriebener Führung verfestigte sich dennoch rasch. Zusammen mit starren Levels fühlen sich viele Abschnitte eher nach dem Abarbeiten vorgegebener Wegpunkte als nach ungezähmter Mutanten-Jagd an.
Dieser starre Ablauf stößt vor allem deshalb sauer auf, weil das Studio im Vorfeld bewusst andere Schwerpunkte setzte. Der mutige Verzicht auf eine offene Welt sollte eigentlich für maximale Dichte und kompromisslose Action sorgen. Auch brutale Combat-Upgrades versprachen frischen Wind in den Gefechten. Wenn das Spielgeschehen aber ständig durch Einblendungen ausgebremst wird, verpufft ein großer Teil dieser Wucht.
Mögliche Optionen für mündige Mutanten
Die angekündigte Feedback-Phase nährt nun die Hoffnung auf schnelle Abhilfe per Patch. Insomniac genießt in der Branche den Ruf, Veröffentlichungen vorbildlich zu pflegen und den Spielern maßgeschneiderte Komfortfunktionen an die Hand zu geben. Schon frühere Produktionen des Studios glänzten mit umfangreichen Einstellungsmenüs für Barrierefreiheit, Schwierigkeitsgrade und HUD-Elemente.
Ein einfacher Optionsschalter im Menü könnte die Wogen glätten. Wer die gelben Geruchsspuren auf Wunsch komplett deaktivieren und Zielmarkierungen reduzieren darf, erlebt das Abenteuer gleich viel intensiver. Dass das Team solche Anpassungen beherrscht, zeigte bereits das optionale Abschalten der Gewaltdarstellung, mit dem die Entwickler technisch flexibel auf unterschiedliche Vorlieben reagierten.
Dass die Grundsubstanz trotz der Kritik stimmt, steht außer Frage. Nach einem reibungslosen Goldstatus läuft das Spektakel technisch weitgehend sauber. Jetzt liegt es an den Designern in Burbank, die Kanten beim Pacing und Kampffluss rasch abzuschleifen. Wenn Insomniac den Spielern die Zügel lockert und Logan ohne Stützräder von der Kette lässt, entfaltet das Krallenspiel erst seine wahre Stärke.