Call of Duty Black Ops 1 und 2 sind ohne Vorankündigung auf PS5 und PS4 erschienen. Kein Trailer, kein Blog-Post, kein großes Tamtam. Einfach nur ein Store-Eintrag, den jemand zufällig entdeckt hat. Und genau da liegt das Problem: Der Release fühlt sich an wie ein stiller Test – wie viel sind die Leute bereit, für unveränderte Nostalgie zu zahlen?
Zwölf Jahre später und kein bisschen besser – Black Ops 1 & 2 sind endlich auf PS5
Die gute Nachricht zuerst: Black Ops und Black Ops 2 laufen nativ auf PS4 und PS5. Kein Streaming, keine Abwärtskompatibilität, sondern echte Ports. Iron Galaxy hat die Arbeit gemacht, das Studio hinter den PC-Ports von Batman Arkham Knight und The Last of Us Part I. Das klingt erstmal nach einer soliden Basis. Aber dann schaut man auf die Feature-Liste und fragt sich, ob hier jemand den Remaster-Teil vergessen hat.
Es gibt keine grafischen Updates. Die Assets sehen aus wie 2010 und 2012.
Kein 120Hz-Modus, kein FOV-Slider, laut ersten Berichten nicht mal durchgehend stabile 60 fps. Stattdessen gibt es gemischte Meldungen zur 4K-Ausgabe und keine dedizierten Server – wer zockt, hofft auf gute Peer-to-Peer-Verbindungen. Und Cross-Play? Nur zwischen PS4 und PS5, wie der PlayStation-Store-Eintrag selbst klarstellt. Xbox-Besitzer müssen weiter auf ihre Abwärtskompatibilität zurückgreifen.
Zwei Klassiker, ein Haken – was die Ports können und was nicht
Immerhin: Wer die Spiele kauft, bekommt die kompletten Pakete. Kampagne, Multiplayer und Zombies sind enthalten. Black Ops 2 legt sogar ein paar Extras drauf – kostenlose Camos und Extra-Klassen, die es damals nicht gab. Das sind nette Zugaben, aber sie kaschieren nicht, was fehlt. Der Multiplayer ist von 2012, ohne moderne Quality-of-Life-Features.
Und Zombies-Fans müssen ohne die DLC-Karten auskommen, die den Modus damals erst richtig groß gemacht haben. Denn das ist der zweite Haken: Der Season Pass kostet extra. 30 Euro pro Spiel, oder 10 Euro mit PS Plus Rabatt. Ohne den Pass bleiben die Maps im Lieferumfang der Basisversion – und für Black Ops 1 heißt das: fünf Zombie-Karten plus die vier WaW-Karten, aber keine DLC-Maps. Wer das komplette Paket will, zahlt also 70 Euro pro Titel.
Season Pass, PS Plus Deal und der Preis für die Nostalgie
40 Euro pro Spiel. 30 Euro pro Season Pass. Macht 140 Euro für beide Spiele mit allen Inhalten – oder 70 Euro, wenn man den PS-Plus-Rabatt mitnimmt. Activision weiß genau, was es hier tut: Der Basispreis lockt mit dem Einstieg, aber wer das volle Black Ops-Erlebnis will, kommt am Season Pass nicht vorbei.
Der PS Plus Deal ist bis zum 6. August 2026 befristet. 50 Prozent Rabatt auf die Spiele, 67 Prozent auf die Season Pässe. Das ist fair – aber nur, wenn man bereit ist, für eine zeitlich begrenzte Nostalgie-Reise zu zahlen. Sobald der Rabatt abläuft, sind 40 Euro für einen Port ohne Updates schwer zu rechtfertigen.
Shadow-Drop oder Abzocke? Was der Release über Activision verrät
Der Shadow-Drop ist kein Zufall – es ist eine bewusste Strategie. Kein großes Release-Event, keine Ankündigungswelle, einfach nur ein leises Update im Store. Wer es findet, soll sich freuen – und wer die Mängel später entdeckt, hat schon gekauft.
Das ist kein böser Wille, sondern schlichte Release-Ökonomie: Warum Aufmerksamkeit auf ein Produkt lenken, bei dem die zweite News-Zeile negativ ist? Trotzdem: Die Spiele selbst sind immer noch fantastisch. Die Kampagnen von Black Ops und Black Ops 2 gehören zum Besten, was die Serie je hatte. Der Multiplayer von Black Ops 2 ist legendär. Zombies war auf dem Höhepunkt. Wer das einfach nur zocken will, ohne sich um moderne Grafik oder 120 Hz zu scheren, bekommt hier ein gutes Paket. Aber der Preis bleibt eine Ansage – und die fehlenden Updates ein Zeichen dafür, dass Activision den Legacy-Markt vor allem als Extra-Einnahmequelle sieht, nicht als Herzensprojekt.