Dass Call of Duty nicht mehr am ersten Tag im Game Pass erscheint, hat Xbox-Chefstratege Matthew Ball vor einigen Wochen selbst eingeräumt – und damit eine der teuersten Marketing-Wahrheiten des Jahres ausgesprochen. Dass ausgerechnet die PlayStation 5 Pro jetzt die technisch beste Version von Modern Warfare 4 bietet, ist die narrative Quittung auf diese Entscheidung. Die PS5 Pro-Features des Shooters wurden offiziell bestätigt: Upgraded PSSR, 4K, 120 Hz und eine entsperrte Framerate, die den Titel auf Sonys Mid-Gen-Hardware näher an die PC-Version rückt als an jede andere Konsole.
Was die PS5 Pro-Version von Modern Warfare 4 kann
Der PlayStation Blog hat am vergangenen Mittwoch nicht nur den neuen Kill Block-Modus ausführlich vorgestellt, sondern ganz am Ende eine handvoll Details deponiert, die für PS5-Besitzer relevanter sind als jede modulare Karte. Modern Warfare 4 wird auf Sonys Mid-Gen-Upgrade mit einer ganzen Reihe von Verbesserungen laufen: 4K-Darstellung, 120 Hz HFR, VRR und HDR sind der Basis-Umfang, den man inzwischen von jedem größeren PS5 Pro-Titel erwarten darf.
Darüber hinaus bestätigt Sony ein Upgraded PSSR – also die zweite Generation der hauseigenen Hochskalierungstechnologie. Die soll auf der PS5 Pro für eine spürbar bessere Bildqualität sorgen, sowohl bei 60 Hz als auch im 120-Hz-Modus. Besonders interessant für Competitive-Spieler: Wer 120 Hz mit VRR aktiviert, bekommt eine entsperrte Framerate. Das bedeutet: keine 120-FPS-Obergrenze mehr, sondern echte variable Bildwiederholung, die den Bildschirm immer dann mit frischen Bildern füttert, wenn die GPU sie liefern kann.
Dazu kommen die üblichen DualSense-Features – adaptive Trigger, haptisches Feedback, 3D-Audio – sowie Remote Play und der neue Low Energy Mode. Infinity Ward und Activision setzen voll auf Sonys leistungsstärkere Konsole.
Warum diese Ankündigung mehr ist als eine Feature-Liste
Der Clou liegt nicht in den Zahlen, sondern im Timing. Call of Duty: Modern Warfare 4 ist kein PlayStation-Titel. Die Marke gehört Microsoft, der Publisher Activision wurde 2023 für 69 Milliarden Dollar übernommen – und trotzdem erfahren wir die exklusiven technischen Details ausgerechnet über den PlayStation Blog. Das folgt logisch aus einer Strategie, die Microsoft selbst eingefädelt hat.
Denn Modern Warfare 4 erscheint nicht am ersten Tag im Game Pass. Xbox hatte die Day-One-Strategie nach Black Ops 7 gekippt, weil der Abo-Dienst die Einzelverkäufe spürbar kannibalisierte. Matthew Ball räumte auf dem Summer Game Fest ein, dass der Game Pass Millionen Abonnenten verlor – und dass Call of Duty als Zugpferd für den Game Pass vorerst ausfällt. Wer MW4 am 23. Oktober spielen will, muss kaufen, nicht abonnieren.
Und dann kauft man am besten dort, wo das Spiel am besten läuft. Sony hat genau dafür gesorgt, dass die PS5 Pro zur stärksten CoD-Maschine auf dem Konsolenmarkt wird. Die einzige Plattform, die da noch mithalten kann, ist der PC – und selbst da ist die Frage, wie sich Infinity Wards überarbeitete Ballistik und das neue Movement im Direktvergleich schlagen. Der PlayStation Blog hat das in einem Satz zusammengefasst, der wie eine Kampfansage klingt: die PS5 Pro voll ausschöpfen – und das für eine Marke, die Microsoft gehört.
Was das für Spieler bedeutet
Für PS5-Besitzer ist die Botschaft eindeutig: Wer Modern Warfare 4 in der besten verfügbaren Konsolenqualität spielen will, ist auf Sonys Hardware richtig. Das Upgraded PSSR, die entsperrte Framerate und die höhere Grafikqualität in beiden Frequenzmodi sind handfeste Vorteile, die über eine reine Auflösungserhöhung hinausgehen. Dass die PS5 Pro von Anfang an mit den Features umgehen kann, ist nicht selbstverständlich – viele Titel haben Monate gebraucht, um ihre Pro-Patches auszuliefern.
Die Entscheidung, auf welche Plattform man MW4 holt, wird für viele Spieler aber trotzdem nicht allein an der Grafik hängen. Wer im Xbox-Ökosystem zu Hause ist, dessen Freunde auf der Series X spielen und dessen Account dort liegt, der wird nicht wegen ein paar PSSR-Pixeln wechseln. Die Frage ist eher, ob Microsoft mittelfristig etwas dagegen tun kann, dass die beste Version eines hauseigenen Shooters auf der Konkurrenzplattform läuft – oder ob der Plattform-Krieg inzwischen endgültig über Service und Ökosystem entschieden wird.
Abgesehen davon bleibt Modern Warfare 4 ein rundes Paket: Kampagnen-Vorabzugang ab 16. Oktober für Vorbesteller, der neue Kill Block-Modus, überarbeitetes Movement, das Infinity Ward selbst eingeräumt hat, und DMZ als Extraktionsmodus. Dass die PS5 Pro das alles in der höchsten Bildqualität darstellt, ist ein starkes Argument – aber nur eines von vielen.


