Für Rollenspiel-Fans endet die Hoffnung auf ein echtes Sci-Fi-Comeback vor verschlossenen Studiotüren. Rund 400 Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz, während neue Entlassungen bei Electronic Arts das endgültige Aus für BioWare und das nächste Mass Effect besiegeln. Das Management opfert kreative Markenidentität für kalkulierbare Service-Gelddruckmaschinen.
Vierhundert Entlassungen beerdigen ein traditionsreiches RPG-Studio
Hinter verschlossenen Türen fegt die Führungsetage vierhundert Mitarbeiter auf die Straße. Ein Bloomberg-Bericht von Jason Schreier deckt die Hintergründe auf: COO David Tinson und Chief Studios Officer Cam Weber informierten die Belegschaft per internem Schreiben über den Kahlschlag. Nach monatelanger interner Prüfung habe das Management laut eigener Aussage „einen schonungslosen Blick auf unser Geschäft geworfen“ und zieht nun drastische Konsequenzen für die kanadische Rollenspiel-Schmiede BioWare.
Das Studio hinter Klassikern wie Baldur’s Gate und Mass Effect existiert ab sofort nicht mehr. Die Streichungen reihen sich nahtlos in die fortlaufenden Kündigungswellen des Konzerns ein, die bereits zuvor Support- und IT-Strukturen ausdünnten. Bei geschätzten Vollkosten von rund 150.000 Dollar pro Entwickler spart EA durch diese 400 Entlassungen etwa 60 Millionen Dollar im Jahr – ein Tropfen auf den heißen Stein angesichts der gigantischen Zinslasten des Publishers.
Geschrumpfte Portfolios füttern nur noch sichere Marken
Fünf etablierte Großprojekte bilden das letzte Auffangbecken für verbliebene Entwickler. Das nächste Mass Effect landet zusammen mit weiteren unangekündigten Projekten im Reißwolf, weil die Studioleitung keine Budgets mehr für langwierige Rollenspiel-Zyklen freigibt. Damit verpuffen frühere Warnungen von Ex-Entwicklern, die Führungsetage möge den kreativen Köpfen endlich freie Hand lassen.
Die verbleibenden Ressourcen fließen gebündelt in Apex Legends, den nächsten Teil der Reihe Star Wars Jedi, Marvel’s Iron Man bei Motive sowie die Kernmarke Battlefield. Nach internen Berichten arbeitet DICE gemeinsam mit Respawn Entertainment an einem neuen Projekt, während Gerüchte bereits über ein kommendes Star Wars Battlefront spekulieren. Nach früheren Entscheidungen gegen eingestampfte Dragon-Age-Projekte begräbt der Publisher damit narrative Singleplayer-Rollenspiele endgültig.
Selbst etablierte Sport-Serien spüren den wachsenden Spardruck in der Chefetage. Bei College Football sanken die Verkäufe nach der starken Rückkehr im Jahr 2024 wieder deutlich ab, während teure Lizenzen für Spieler-Rechte und Stadien die Marge auffressen. Bleibt der kommerzielle Aufschwung aus, droht der College-Football-Reihe laut internen Einschätzungen innerhalb der nächsten fünf Jahre das Aus auf dem Abstellgleis.
Milliardenschwere Schulden diktieren jeden einzelnen Rotstift
Achtzehn Milliarden Dollar Neuschulden fressen die operativen Gewinne des Publishers auf. David Tinson und Cam Weber begründen den Kahlschlag im internen Rundschreiben mit strategischer Fokussierung: „Quer durch unser Portfolio treffen wir bewusste Entscheidungen, um Talente und Investitionen dort auszurichten, wo wir die größten Chancen für Spieler und langfristiges Wachstum sehen.“ Im Hintergrund ersticken die operativen Einnahmen an den drückenden Zinslasten der Milliarden-Übernahme, die dem Konzern kaum noch Luft zum Atmen lassen.
Jährlich rund 1,8 Milliarden Dollar Zinsen fordern ihren Tribut von einer Bilanz, die ein EBITDA von rund 1,5 Milliarden Dollar erwirtschaftet. Ein jährliches Defizit von dreihundert Millionen Dollar allein beim Zinsdienst zwingt die Führungsetage zur totalen Risikominimierung. Das Management streicht unrentable Soloprojekte und pumpt jeden Cent in berechenbare Live-Service-Monetarisierung. Für Gamer bedeutet diese Strategie den schleichenden Abschied von tiefgründigen Welten zugunsten digitaler Glücksspiel-Mechaniken.