„Wolverine ist unser einziger spielbarer Charakter.“ Mit diesem Satz beenden Senior Project Director Jess Reiner-Reed und Head of Technology Mike Fitzgerald im GamesRadar-Interview jede Spekulation über die Jean-Grey-Szene im Story-Trailer. Die Telepathin kämpft in Marvel’s Wolverine zwar an Logans Seite – steuerbar ist sie nicht. Das ist die direkte Antwort auf die meistkritisierte Schwäche der Spider-Man Spiele: die Mary Jane Stealth-Segmente.
Die Ansage ist eine Lehre aus Spider-Man
Die Szene im Story-Trailer von der Comic-Con ließ vieles offen: Die Kamera schwenkt hinter Jean Grey, als sie einen Tanzsaal betritt – für viele Fans ein klarer Teaser auf einen spielbaren Abschnitt. Fehlanzeige, sagen Reiner-Reed und Fitzgerald: Logan ist und bleibt der einzige spielbare Charakter. Game Director Mike Daly bestätigt das unabhängig im IGN-Interview: „Ihr spielt durchgehend Wolverine. Wir wollten den Fokus die ganze Geschichte über auf ihm halten.“
Das klingt nach Selbstverständlichkeit, ist aber ein Statement. Die MJ-Segmente galten bei Spider-Man 1 und Miles Morales als der schwächste Teil – erzwungene Stealth-Passagen, die aus dem Helden einen Angsthase machten. Insomniac hat die Kritik gehört und zieht die radikale Konsequenz: keine Wechsel-Charaktere, keine „Mal spielst du wen anderen“-Ausflüge. Wer hier zockt, zockt Logan.
Jean Grey kämpft mit – nur eben nicht für euch
Trotzdem ist Jean nicht aus dem Spiel verbannt. Fitzgerald beschreibt die Team-Dynamik so: „Da ist auf jeden Fall dieser Team-Vibe drin. Aber wir haben uns wirklich darauf konzentriert, Wolverine als spielbaren Charakter zu treffen.“ Konkret heißt das: Jean agiert autonom, verteidigt sich selbst und öffnet Gegner für Finisher – wie wir es aus dem zehn Minuten Wolverine-Gameplay vom State of Play kennen.
Dazu nutzt sie im Stealth ihre Telepathie, um feindliche Wahrnehmung zu dämpfen. Auch Sabretooth und Mystique begleiten Logan kämpferisch – der eine klaut ihm Kills, die andere bleibt unberechenbar. Insomniac inszeniert Logan also nicht als Einzelgänger, sondern als Teamspieler wider Willen. Nur die Zügel bleiben bei ihm.
Die Community streitet: MJ-Vergleich, Jesse Faden und die Preisfrage
Genau da spaltet sich die Fanbase. Im Reddit-Thread zur Meldung kontert ein User den MJ-Vergleich: „MJ-Spielbarkeit mit Jean-Grey-Spielbarkeit zu vergleichen, ist irre.“ Ein anderer sieht in Jean eine Jesse Faden ohne Waffe – „die Blaupause liegt vor“ (gemeint ist Control). Die Gegenseite argumentiert mit dem Budget: Ein eigener Jean-Playstyle hätte Entwicklungszeit gefressen – und dann wären schnell auch Mystique- und Sabretooth-Segmente gefordert.
Beides ist nachvollziehbar. Unsere Einordnung: Die Entscheidung ist mutig, denn Jean ist der offensichtliche Wunschkandidat für eine Wechsel-Sequenz. Genau deshalb wäre ein halbherziger Jean-Abschnitt gefährlicher gewesen als gar keiner – bei 79,99 Euro im PlayStation Store kauft man schließlich kein „Mal schauen, was die Nebenfigur so kann“.
Und warum existieren die X-Men nicht?
Wer sich jetzt fragt, wie Jean Grey überhaupt ohne die X-Men funktioniert, findet die Antwort bei Narrative Director Walt Williams: Er hat erklärt, warum die X-Men nicht existieren – die Welt von Wolverine kennt Mutanten, aber noch keine zusammengewürfelte Heldentruppe. Jean ist in dieser Version ein eigenständiger Charakter mit eigener Agenda, keine X-Frau auf Abruf. Das passt zur Grundidee: Wolverine ist kein Ensemble-Stück, sondern ein Charakterporträt. Und die ersten Presseeindrücke werden zeigen, ob sich dieser Purismus in der Praxis auszahlt. Ein lineares Spiel für 80 Euro ohne Wechsel-Perspektiven muss von der ersten bis zur letzten Minute tragen – mehr als ein Open-World-Titel, der mit Nebenquests ablenken kann.
Unser Take: Die Ansage ist richtig, die Beweislast liegt jetzt beim Spiel. Wenn Wolverines Kampfsystem die versprochene Wucht liefert, merkt niemand, dass Jean nicht spielbar ist. Wenn nicht, wird genau diese Entscheidung zum ersten Anker der Kritik.