Das Begräbnis war verfrüht. Monatelang sah es so aus, als würde Bungie Destiny 2 endgültig zu Grabe tragen. Der Content Vault, jene umstrittene Entscheidung, mit der das Studio einst ganze Kampagnen und Planeten aus dem Spiel entfernte, schien für immer versiegelt. Doch jetzt öffnet Bungie die Tore wieder. Red War, Forsaken und sogar Raids sollen zurückkehren – für alle Spieler. Ein Schritt, den viele nicht mehr für möglich gehalten hätten.
200 GB für die Ewigkeit
Bungie hat offiziell bestätigt, dass der Content Vault geöffnet wird. In einem offiziellen Studio-Update kündigt das neue Führungsteam um Studio Head Poria Torkan und Marathon-GM Josh Deane an, die entfernten Kampagnen, Planeten und Raids zurückzubringen. Das Bungie Destiny 2 Unvaulting betrifft die Red-War-Kampagne von 2017, die Forsaken-Erweiterung von 2018 sowie Curse of Osiris, Warmind und die zugehörigen Raids und Schauplätze. Alle Spieler sollen Zugriff erhalten – nicht nur Besitzer der alten DLCs.
Doch die Rückkehr ist kein einfacher Knopfdruck. „Diese Inhalte zurückzubringen ist nicht so einfach wie das Wiederherstellen alter Dateien“, heißt es in dem Blogpost. „Die Änderungen an Destiny 2 seit Beyond Light erfordern, dass wir Licht, Begegnungen, Gegner und andere zugrunde liegende Systeme aktualisieren.“ Die Arbeiten werden Zeit brauchen. Ein konkretes Datum nennt Bungie nicht. Klar ist nur: Der Weg zurück führt über die Technik, nicht über die Nostalgie.
Das Ende war eine Lüge
Die Entscheidung, Destiny 2 zu beenden, steht im krassen Widerspruch zu dem, was nun folgt. Noch im Juni 2026 hatte Bungie das letzte Content-Update Monument of Triumph veröffentlicht – und kurz darauf folgte die dritte Entlassungswelle. Fast 300 Mitarbeiter verloren ihren Job, die Hälfte des Studios. Bloomberg-Reporter Jason Schreier berichtete, dass Bungie keine Pläne für Destiny 3 habe und sich stattdessen auf Marathon konzentriere.
Doch die Rechnung ging nicht auf. Marathon konnte die Erwartungen nicht erfüllen. Destiny 2 hingegen – das offiziell „tote“ Spiel – übertraf den Extraction-Shooter auf Steam um ein Vielfaches. Die Community ließ nicht locker. Als Monument of Triumph als finales Update angekündigt wurde, reagierte sie mit einer Wucht, die Bungie offenbar unterschätzt hatte. „Eure Stimmen waren wichtig, und die Art, wie ihr aufgetreten seid, hatte echte Wirkung“, schreibt das Studio. Die Zahlen gaben der Community recht.
„Wir sind noch nicht fertig“
Mit der Kehrtwende versucht Bungie, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen. „Wir können die Entscheidung, die wir getroffen haben, nicht rückgängig machen, aber wir können ihre Auswirkungen anerkennen und die Arbeit tun, um es wiedergutzumachen, indem wir diese wichtigen Teile der Destiny-Geschichte wiederherstellen“, heißt es in dem Blogpost. Das ist bemerkenswert offen für ein Studio, das zuvor monatelang das Destiny 2-Aus intern geheim hielt und seine Belegschaft im Unklaren ließ.
Doch die Ankündigung ist mehr als eine Entschuldigung. Bungie spricht von „neuen Geschichten zu erzählen, neuen Welten zu bauen“ und davon, Destiny zurück zu seinem „ursprünglichen Versprechen“ führen zu wollen. Ob das ein neues Spiel bedeutet, ein Destiny 3 oder etwas anderes, bleibt offen. Klar ist nur: Der Content Vault ist nicht das Ende. Er war eine Pause. Eine, die zu lange gedauert hat – und die Bungie nun teuer korrigieren muss.