Control Resonant biegt wenige Tage vor der Veröffentlichung für PC, PlayStation 5 und Xbox Series X/S mit Vollgas auf die Zielgerade ein. Die finnischen Entwickler von Remedy Entertainment untermalen den finalen Vorgeschmack auf das Mystery-Action-Rollenspiel mit treibendem Alternative-Rock der Neunziger. Während die Community noch über den Verbleib von Fan-Liebling Jesse spekuliert, lässt das Studio die weltweiten Testwertungen fast eine Woche vor dem Verkaufsstart von der Leine.
Schwedenrock treibt den Ausbruch an
Remedy beweist bei der musikalischen Untermalung seiner Welten seit jeher ein feines Gespür. Nachdem im Sommer bereits brachiale Beats von The Prodigy durch die Lautsprecher hämmerten, peitscht nun der schwedische Klassiker „My Favourite Game“ von The Cardigans das Geschehen nach vorn. Zu sehen ist ein von sieben Jahren Koma gezeichneter Dylan Faden, der die klaustrophobischen Flure des Federal Bureau of Control hinter sich lässt und in ein verzerrtes Manhattan stolpert.
Die Unterschiede zum Vorgänger springen sofort ins Auge. Statt wie damals durch gleichförmige Büroetagen zu schweben, entfesselt das Studio eine offene Spielwelt nach zwei Stunden, in der zerschmetterte Wolkenkratzer und paranatürliche Anomalien aufeinanderprallen. Die Finnen inszenieren die Trümmerlandschaft als finstere Symphonie aus Licht und Schatten.
Dylans brutaler Kampf um Erlösung
Im Mittelpunkt steht die spürbare Wandlung der Hauptfigur. Im Erstling von 2019 war Dylan noch ein unberechenbarer Gefangener der Zischer-Macht, weggesperrt in den Tiefen des Ältesten Hauses. An der Seite seiner Verbündeten Zoe ringt er nun sichtlich mit den Geistern der Vergangenheit und seiner Schuld. Auf ihre Frage, warum er nach dem Erwachen nicht einfach Reißaus genommen hat, liefert er die entscheidende Antwort:
„Ich hätte nie gedacht, dass ich jemals etwas haben würde, für das es sich zu sterben lohnt.“
Dieser Satz brennt sich direkt ins Gameplay ein. Wo seine Schwester Jesse mit eleganter Telekinese und schwebender Distanz agierte, wirft sich Dylan mit roher Wucht, schnellen Ausweichschritten und gezielten Nahkampf-Kontern ins Getümmel. Die Dynamik erinnert an den genialen Kniff aus Halo 2, als Bungie die Spieler plötzlich in die Haut des einstigen Feindes steckte. Wenn diese emotionale Gratwanderung bis zum Abspann trägt, liefert Remedy seine bisher intensivste Charakterzeichnung.
Ein Embargo demonstriert pure Stärke
Hinter der stylischen Fassade tobt für das Studio ein knallharter Verdrängungswettbewerb. Für die Finnen markiert das Projekt den bitter nötigen Befreiungsschlag nach dem Firebreak-Desaster, nachdem der Koop-Ausflug im Vorjahr auf Steam sang- und klanglos unterging. Entsprechend viel steht auf dem Spiel, wenn das Team jetzt wieder auf ein reines Singleplayer-Erlebnis setzt.
Umso bemerkenswerter fällt der Terminplan für die Pressewertungen aus. Das internationale Test-Embargo fällt bereits heute um 15:00 Uhr deutscher Zeit, also fast eine volle Woche vor dem eigentlichen Release. Ein derartiges Vorgehen kennt man sonst nur von absoluten Schwergewichten wie Doom Eternal oder Elden Ring. Wer seine Wertungen so früh freigibt, fürchtet weder technische Schnitzer noch zähe Passagen.
