Take-Two CEO Strauss Zelnick hat in einem CNBC-Interview schnelle Rabatte für Grand Theft Auto 6 ausgeschlossen und den 80 Dollar Preis als „bewusst kalkuliert“ („deliberate“, so Zelnick wörtlich) bezeichnet. Er verweist auf GTA 5, das seinen Launch-Preis 2013 ungewöhnlich lange hielt – und öffnet im selben Atemzug Händlern die Tür für eigenständige Preissenkungen. Damit schiebt Take-Two das Rabatt-Risiko an Amazon, MediaMarkt und Co. weiter, während die Ultimate Edition die Vorbestellungen dominiert.
„Die Händler können tun, was sie wollen“
Take-Twos offizielle Linie ist hart: Der Preis für die Standard-Edition von GTA 6 ist kein vorübergehender Testballon, sondern bewusste Strategie. Zelnick betonte im CNBC-Gespräch, dass die Preisentscheidung sorgfältig getroffen wurde, und untermauerte das mit GTA 5, das nach seinem Launch auf PS3 und Xbox 360 seinen Preis ungewöhnlich lange gehalten habe – „deutlich länger als eine Standard-Veröffentlichung“, so der CEO.
Doch dann folgt die entscheidende Einschränkung: „Wir legen unsere Preise fest, und die Händler können dann tun, was sie wollen. Wir haben keine Möglichkeit, das zu kontrollieren. Wenn sie den Preis senken, reduzieren sie damit offensichtlich ihre eigene Marge beim Verkauf.“ Für Käufer heißt das: Offizielle Sales von Take-Two wird es nicht geben – aber wenn MediaMarkt, Amazon oder GameStop den Preis senken wollen, dann auf eigene Kosten. Take-Two kassiert trotzdem den vollen Großhandelspreis.
Noch konkreter wird Zelnick bei Bundles: Stores dürften auch Konsolen plus Spiel Pakete schnüren und rabattieren – und zwar „auch ohne direkte Unterstützung von Sony, Microsoft oder Take-Two.“ Das ist eine juristisch präzise Formulierung mit echter Konsequenz: Ein Händler könnte eine PS5 mit GTA 6 als Paket günstiger anbieten, ohne dass ein offizielles Bundle der Plattformhalter existiert. Dass Händler GTA 6 teurer listen als den UVP, zeigt allerdings, dass die Realität im Einzelhandel in beide Richtungen ausschlagen kann.
Warum der GTA 5 Vergleich hinkt
Zelnicks Verweis auf GTA 5 als Beleg für die eigene Preishärte klingt plausibel – bis man die Zahlen nebeneinanderlegt. GTA 5 erschien 2013 für 59,99 Dollar. GTA 6 kostet 79,99 Dollar, bestätigt durch Rockstar selbst. Das ist ein Preissprung von 33 Prozent innerhalb einer Konsolengeneration. Das als Fortsetzung derselben Strategie zu verkaufen, blendet die entscheidende Größe aus: den Preis selbst.
Mit 79,99 Dollar gehört GTA 6 zu den teuersten Standard Launch-Preisen, die ein Konsolenspiel je aufgerufen hat.. Allerdings hat Nintendo mit Mario Kart World auf Switch 2 ebenfalls die 80 Dollar Marke für eine Standard-Edition getestet. Welcher dieser beiden Titel den Rekord hält, hängt davon ab, ob man Nintendos Preisexperiment als etablierten Launch-Preis wertet.
Hinzu kommt ein Markt, der 2026 fundamental anders tickt. 2013 waren digitale Storefronts noch im Aufbau, Sales die Ausnahme. Heute landen selbst AAA-Blockbuster regelmäßig nach sechs bis acht Wochen mit 20 bis 30 Prozent Rabatt im PSN-Store oder bei Steam. Dass Take-Two sich diesem Rhythmus verweigert, ist keine branchenübliche Zurückhaltung – es ist eine gezielte Ausnahme, die sich nur ein Studio mit der Marktmacht von Rockstar leisten kann. Zelnick selbst hat GTA 6 einmal als „Hochrisikospiel“ bezeichnet – dass die Preispolitik Teil der Risikominimierung ist, liegt auf der Hand.
Zelnick räumt ein, dass der Preis „irgendwann“ („eventually“) sinken wird. Nur dürfte dieses „irgendwann“ nicht Monate, sondern Jahre bedeuten. GTA 6 erscheint am 19. November 2026 für PS5 und Xbox Series X|S, ein PC-Release ist nicht terminiert. Und GTA 5 brauchte von der Konsolen-Premiere 2013 bis zum PC-Launch fast 18 Monate. Zelnick selbst sieht steigende Konsolenpreise kritisch – bemerkenswert, wenn das eigene Spiel die neue Obergrenze setzt.
Ultimate Edition läuft der Standardversion davon
Während draußen noch über die 80 Dollar diskutiert wird, durchläuft Take-Two intern eine Entwicklung, die Zelnick im selben CNBC-Gespräch beiläufig fallen ließ: Die 100 Dollar Ultimate-Edition wird aktuell häufiger vorbestellt als die günstigere Standardversion. Das ist selbst für GTA-Verhältnisse außergewöhnlich und liefert Take-Two das beste Argument, den Preis nicht anzurühren – warum billiger verkaufen, wenn die teurere Variante stärker nachgefragt wird?
Dass Zelnick trotzdem keinen Überschwang aufkommen lässt, hat einen simplen Grund: „So etwas hat noch niemand gesehen, weder bei Take-Two noch in der Branche“, sagte er zu den Vorbestellungszahlen – um dann direkt einzuschränken: „Man kann eine Vorbestellung stornieren“, und das Unternehmen wisse schlicht noch nicht, „wie sich das in tatsächliche Verkäufe übersetzen wird.“ Zwischen Vorbestellung und Kaufabbruch liegen in der digitalen Store-Welt nur ein paar Klicks. Take-Two weiß, dass das Marketing-Fenster bis zum November-Launch noch einiges an Überzeugungsarbeit leisten muss – schließlich bleiben selbst beispiellose Vorbestellungen unkalkulierbar.
Netflix-Exklusivität: Sechs Stunden Warten für Nicht-Abonnenten
Am 27. August zeigt Rockstar einen „extended look“ zu GTA 6 – exklusiv auf Netflix. Wer kein Abo hat, muss sechs Stunden warten: Erst Stunden später erscheint dasselbe Material auf dem offiziellen Rockstar-YouTube-Kanal. Zelnick nannte das CNBC gegenüber „eine der Vorspeisen“ („one of the hors d’œuvres“) – Teil eines Marketing-Menüs, zu dem es dem CEO zufolge „Vorspeisen, Hauptgang und Dessert“ geben werde.
Die Partnerschaft mit Netflix ist weniger willkürlich, als sie wirkt. Rockstar brachte in den vergangenen Jahren bereits ältere GTA-Titel – darunter die Definitive Edition der Trilogie – als mobile Versionen über Netflix Games auf Smartphones. Zelnick sprach von „einer bahnbrechenden Partnerschaft, die Rockstar eingefädelt hat“. Dass der Extended Look nur Singleplayer zeigt und GTA Online komplett ausspart, wirft allerdings Fragen auf – schließlich finanziert der Online-Modus seit über einem Jahrzehnt Rockstars Entwicklungskosten.
Was das für deinen Geldbeutel bedeutet
79,99 Euro kostet die Standard-Edition von GTA 6 in Deutschland, 99,99 Euro die Ultimate Edition – mit exklusiven Inhalten, die Rockstar hinter eine Paywall packt. Wer zum Launch spielen will, zahlt mindestens den Standardpreis. Einen Sale von Take-Two selbst wird es auf absehbare Zeit nicht geben.
Was es geben könnte: Händler-Aktionen, Bundle-Rabatte und vielleicht das eine oder andere Weihnachtsangebot Ende 2026. Wer die Disziplin hat abzuwarten, kann auf diesen Wegen sparen – muss aber damit rechnen, dass zwischen Launch und erstem nennenswerten Rabatt nicht Wochen, sondern Monate oder Jahre liegen. Und wer auf den PC-Release wartet, spielt auf einer komplett anderen Timeline: Einen Termin hat Rockstar nicht einmal angedeutet.
