Shuhei Yoshida rät Sony und Nintendo, die aktuelle Konsolengeneration so lange wie möglich zu strecken – und Xbox den Vortritt mit Project Helix zu lassen. Der ehemalige PlayStation-Manager sieht PS5- und Switch-2-Besitzer mit ihrer Hardware zufrieden und bremst die Erwartung an einen schnellen Generationenwechsel. Statt neuer Leistungshunger dominiert eine Preisfrage: Wer soll sich überhaupt noch eine neue Konsole leisten? Während Sony und Nintendo abwarten können, steht Xbox unter Zugzwang.
Yoshida sieht keinen Bedarf für mehr Leistung
Der Grund für Yoshidas Entspannung ist so einfach wie unbequem für die Branche. „Ich glaube nicht, dass viele Leute fordern: „Mehr Macht, wir brauchen mehr Macht.“, sagt der 31 Jahre Veteran im Interview bei The Verge. Auch Entwickler würden nicht nach besserer Hardware rufen. Beides zusammen entzieht einem schnellen PS6-Start die Grundlage.
Die Zahlen stützen ihn. Die Xbox Series X kostet in Europa seit August 799,99 Euro – ein Plus von 33 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Wer jetzt schon eine PS5 oder Switch 2 besitzt, sieht keinen Grund, diesen Aufpreis für mehr TFLOPS zu zahlen. Die aktuelle Hardware reicht für das, was gespielt wird. Selbst Microsofts eigener PlayStation-Plan zeigt, wie ernst die Lage ist: Der Forza Horizon 6 PS5-Release wurde jüngst auf 2027 vertagt – ein Zeichen dafür, dass selbst Xbox-Studios die PS5 als wichtigen Absatzmarkt behandeln.
Yoshida geht noch weiter. Seine eigene Rechnung sieht so aus: Er kaufte seinen Gaming-PC vor fünf Jahren, wollte aufrüsten – und kam zu spät. „Ich wünschte, ich hätte diese Entscheidung schon vor einem Jahr getroffen.“, sagt er. Viele Spieler werden dieses Nachsehen-Erlebnis teilen und den Neukauf aufschieben. Für Sony und Nintendo bedeutet das: Die PS5 und die Switch 2 haben noch eine lange Halbwertszeit.
50 Dollar im Monat – Yoshidas Abo-Rechnung
Für Xbox zeichnet Yoshida ein anderes Szenario. Weil Project Helix voraussichtlich über 1.000 Dollar kosten wird, bringt er ein Hardware-Abo ins Spiel: 300 bis 400 Dollar pro Jahr oder 50 Dollar im Monat, gekoppelt an Services. Das klingt schlanker als ein Einmalpreis – ist aber eine Milchmädchenrechnung.
Rechnen wir nach: 50 Dollar monatlich ergeben über 24 Monate 1.200 Dollar. Exakt der Betrag, den Microsoft laut Leaks für Project Helix ansetzen muss, um überhaupt profitabel zu produzieren. Der Konzern verliert bereits bei der Series X rund 150 Dollar pro Einheit – bei Herstellungskosten von ca. 950 Dollar. Ein Abo verschiebt die Kosten nur, es senkt sie nicht.
Yoshida selbst weiß das. Sein 50-Dollar-Vorschlag ist deshalb weniger ein Rezept als eine Diagnose. Er sagt: Wenn die Hardware so teuer wird, muss der Einstieg schrittweise funktionieren. Dass Sony und Nintendo diesen Weg nicht gehen müssen, liegt an einem Vorteil, den Xbox gerade nicht hat: Die Plattformen PS5 und Switch 2 verkaufen sich aus eigener Kraft. Die Frage, wie viel Xbox an Marktanteil im AAA-Singleplayer-Bereich noch abzugeben bereit ist, stellt sich für sie nicht – die PS5 zerlegt Xbox bei AAA-Singleplayer-Spielen bereits mit brutaler Deutlichkeit.
RAMmageddon bremst die gesamte Branche
Hinter Yoshidas Gelassenheit steht ein handfestes Marktproblem. Die RAM- und Speicherpreise sind seit 2026 um mehr als das 2,5-Fache gestiegen. Microsoft erwartet eine weitere Verdopplung bis Herbst 2027. TrendForce zufolge machen Speicherkosten 2026 über 35 Prozent der Konsolen-Herstellungskosten aus. Das trifft jede Neuentwicklung.
Sony hat bereits reagiert. Die PS5 kostet seit April 649,99 Dollar, die PS5 Pro 899,99 Dollar. Nintendo erhöhte die Switch 2 auf 499,99 Dollar. Beide Konzerne schieben die nächste Generation deshalb nicht aus Bequemlichkeit auf – sondern weil die Produktionskosten eine schnelle Ablösung wirtschaftlich unsinnig machen. Sony stemmt sich derweil mit aller Macht gegen die Krise: Die PS5-Produktion bis 2027 ist gesichert, während Sony höhere PS5-Preise bereits durchgesetzt hat – und die PS6 noch teurer wird.
Für Sony und Nintendo ist das eine komfortable Situation. Sie haben ihre aktuellen Konsolen millionenfach verkauft, die Nachfrage ist stabil, die Preise bereits angehoben. Ein PS6-Start im Jahr 2027 würde unter diesen Bedingungen entweder einen drakonischen Preis oder massive Subventionen erfordern.
Tape-Out ja – Marktstart offen
Technisch ist die nächste Generation längst auf dem Weg. Die Chips für PS6 und Project Helix haben den Tape-Out erreicht – der entscheidende Meilenstein, bei dem das Design finalisiert und an die Fertigung übergeben wird. Project Helix wird mit rund 56 TFLOPS gehandelt, die PS6 mit etwa 40 TFLOPS. Beide setzen auf AMD Zen 6 und RDNA 5.
Doch Tape-Out heißt nicht Marktstart. Auf die erste Silicon-Generation folgen Validierung, Steppings, Kühlungsdesigns und Massenproduktions-Vorbereitung. Ein Start gegen Ende 2027 bleibt möglich, ist aber kein Naturgesetz. Yoshidas Botschaft ist deshalb keine Absage an die PS6, sondern eine Warnung vor dem falschen Tempo. Wer jetzt eine Next-Gen-Konsole auf den Markt wirft, muss mit einem Käufer rechnen, der bereits eine PS5, eine Switch 2 oder einen ausreichend guten PC besitzt – und gerade andere Sorgen hat.
Was das für die Xbox bedeutet, bleibt die spannendere Frage. Microsoft muss vorpreschen, weil die Marke Xbox im AAA-Segment zuletzt an Boden verloren hat – während Starfield auf der PS5 mit massiven Abstürzen zu kämpfen hatte. Wenn Project Helix 2027 kommt, ist das kein Luxus, sondern Überlebensstrategie. Sony und Nintendo können derweil das tun, was Yoshida empfiehlt: abwarten, die Preise stabil halten und die nächste Generation erst dann zünden, wenn die RAM-Krise sich entspannt hat.
