Warhorse Studios wurde das Opfer eines schweren Cyberangriffs, bei dem sich unbekannte Angreifer unbefugten Zugriff auf interne Firmensysteme und sensible Daten verschafft haben. Nach dem weltweiten Siegeszug von Kingdom Come: Deliverance 2 trifft der Vorfall das Prager Entwicklerstudio mitten in der Produktionsphase zweier ambitionierter Großprojekte. Die Studioleitung hat umgehend externe Sicherheitsexperten eingeschaltet, stellt die Kommunikation nach außen vorerst komplett ein und kämpft hinter verschlossenen Türen um die digitale Unversehrtheit ihrer Belegschaft.
Der digitale Einbruch in Prag
Hinter den Serverwänden in Prag herrscht seit den frühen Morgenstunden digitaler Ausnahmezustand, während externe IT-Forensiker versuchen, kompromittierte Schnittstellen zu isolieren. Unbekannte Angreifer haben sich Zugang zu internen Netzwerken verschafft und dabei Datenbestände abgegriffen, deren genauer Umfang derzeit noch völlig im Dunkeln liegt. Statt der gewohnten Entwicklungsroutine dominieren jetzt Notfallprotokolle, heruntergefahrene Workstations und strikte Maulkörbe für das gesamte Team.
Dieser radikale Kommunikationsstopp ist Teil der Krisenstrategie, die Studio-Chef Martin Frývaldský in einer knappen offiziellen Sicherheits-Mitteilung formulierte. Frývaldský sprach von einem ernsten Vorfall für das Unternehmen und betonte die Dringlichkeit der Lage: „Dies ist ein ernster Vorfall für Warhorse Studios und alle Betroffenen. Unsere unmittelbare Priorität liegt darin, unsere Systeme zu sichern, das volle Ausmaß des Einbruchs zu ermitteln und die notwendigen Schritte zum Schutz unserer Mitarbeiter, Partner und Community einzuleiten.“ Bis auf Weiteres gibt es weder Presseinterviews noch weitere Stellungnahmen.
Die verordnete Funkstille unterstreicht den Ernst der Lage, denn Gaming-Unternehmen geraten zunehmend ins Visier organisierter Cyber-Banden, die auf Quellcodes und vertrauliche Mitarbeiterakten spekulieren. Warhorse steht plötzlich vor derselben Bedrohung, die in den vergangenen Jahren bereits Branchengrößen wie Insomniac Games oder CD Projekt RED heimgesucht hat. Wenn Angreifer erst einmal tief in den Dateisystemen sitzen, geht es selten nur um Datenverlust, sondern um knallharte Erpressung mit Entwicklungsgeheimnissen.
Genau diese Geheimnisse sind nach dem enormen kommerziellen Erfolg wertvoller denn je, schließlich feierte das Team erst vor wenigen Monaten über sechs Millionen Verkäufe seines jüngsten Mittelalter-Hits. Der finanzielle Durchbruch hat Warhorse vom ambitionierten Außenseiter zu einem lukrativen Ziel für Kriminelle gemacht. Der jüngste Vorfall trifft das Studio deshalb auf dem absoluten Höhepunkt seines Erfolgs und bedroht direkt die Zukunftspläne.
Die gefährdete Pipeline zwischen Mittelerde und Böhmen
Im Zentrum der internen Nervosität stehen zwei monumentale Open-World-Projekte, an denen die Prager Entwickler derzeit parallel unter Hochdruck feilen. Nach dem Abschluss der Arbeiten an der böhmischen Fortsetzung hatte das Studio seine Belegschaft aufgeteilt, um gleich zwei neue Großprojekte anzuschieben. Ein solches Mammutprogramm verlangt reibungslosen Datenaustausch zwischen den Abteilungen, genau dieser Austausch liegt nun in Trümmern.
Das erste dieser beiden Großprojekte führt zurück in vertraute Gefilde, wie die jüngste Markeneintragung für den dritten Kingdom Come Ableger bereits im Sommer 2026 enthüllte. Das Projekt soll erstmals ohne Schmiedesohn Heinrich auskommen und die bewährte historische Formel komplett neu aufrollen. Ein Durchsickern früher Design-Dokumente, Quelltexte oder Story-Skripte würde die gesamte Produktionsplanung torpedieren.
Noch explosiver wirkt die Gefahr beim zweiten Vorhaben, dem extrem ambitionierten Mittelerde-Projekt, das unter strengster Geheimhaltung entsteht. Communications Director Tobias Stolz-Zwilling bezeichnete das Fantasy-Rollenspiel unlängst als absolutes Herzensprojekt und betonte selbstbewusst: „Wir wollen die neuen Könige der Rollenspiele werden.“ Doch wenn Kriminelle nun Zugriff auf geschützte Lizenz-Verträge, frühe Konzeptgrafiken oder vertrauliche Vereinbarungen erlangt haben, gerät dieser Traum vor dem ersten Teaser ins Wanken.
Das Branchen-Beben und der Preis digitaler Angreifbarkeit
Für Mutterkonzern Embracer Group und das Prager Management ist der Sicherheitskollaps ein Weckruf, der weit über ein einzelnes Studio hinausreicht. Der Fall zeigt schmerzhaft, dass selbst gefeierte Top-Entwickler oft hinter den Sicherheitsstandards hinterherhinken, die für milliardenschwere Medienkonzerne eigentlich Pflicht sein sollten. Wer mit weltbekannten Lizenzen wie Tolkiens Mittelerde jongliert, muss seine Server wie eine mittelalterliche Festung verbarrikadieren.
Neben dem Schutz geistigen Eigentums steht vor allem das Wohl der Angestellten auf dem Spiel, deren persönliche Datensätze bei solchen Einbrüchen häufig ungeschützt auf den Tischen der Erpresser landen. Namen, Gehaltsabrechnungen und private Adressen sind für Cyber-Kriminelle die perfekte Hebelwirkung, um Lösegelder zu erzwingen. Warhorse muss jetzt beweisen, dass die versprochene Unterstützung für das eigene Personal mehr ist als eine hohle Floskel in einer Krisenmeldung.
Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Angreifer mit ihren Erpressungsversuchen durchkommen oder ob die IT-Abwehr den Einbruch rechtzeitig isolieren konnte. Für Warhorse steht dabei nichts Geringeres als das über Jahre aufgebaute Vertrauen der Community und der Lizenzgeber auf dem Spiel. Wer die Krone der Rollenspiele erobern will, darf sich auf dem Weg dorthin keine offenen Hintertüren im eigenen Netzwerk leisten.