Resident Evil steuert auf ein definitives Ende zu, denn Publisher Capcom hat für die legendäre Survival-Horror-Reihe einen Zehn-Jahres-Plan bis zum großen Finale ausgearbeitet. Executive Producer Jun Takeuchi bestätigte diesen Kurswechsel überraschend in Japan und machte deutlich, dass der aktuelle Zyklus mit mehreren neuen Großprojekten abgeschlossen werden soll. Für den Publisher markiert dieser Schritt eine riskante Zäsur, da das Franchise wirtschaftlich gerade auf seinem absoluten Rekordniveau agiert.
Takeuchis Zehn-Jahres-Plan beendet den ewigen Zombie-Kreislauf
Seit drei Jahrzehnten klammern sich Spieler mit schweißnassen Fingern an jedes letzte grüne Kraut und jede gefundene Schrotpatrone im sicheren Glauben an ein endloses Weiterleben der Serie, doch genau dieses Gefühl von unendlicher Wiederkehr zerschlägt Capcom nun mit einem harten Countdown. Executive Producer Jun Takeuchi stellte in einem ausführlichen Gespräch mit Yahoo Japan klar, dass die Entwickler ein konkretes Ende vor Augen haben. Binnen der nächsten zehn Jahre soll die übergreifende Erzählung ihren finalen Schlusspunkt erreichen.
Diese Frist wirkt auf den ersten Blick wie ein Schock für eine Industrie, die erfolgreiche Marken üblicherweise bis zur völligen Belanglosigkeit melkt. Doch Takeuchi betonte im Interview mit IGN, dass der Schlusspunkt keineswegs das sofortige Aus bedeutet – vielmehr stehen mehrere neue Vollpreistitel auf dem Plan.
„Mit dem Erscheinen von Requiem in diesem Jahr enden für mich die ersten zehn Jahre, das eigentliche Finale wird also in den kommenden zehn Jahren folgen“, erklärte Takeuchi die interne Marschroute. Capcom betrachtet den Release des neunten Hauptteils als historischen Wendepunkt. Genau hier wurden die Weichen für den Abschied gestellt.
Das geheime Remake-Puzzle lüftet Capcoms Masterplan
Hinter dieser Zehn-Jahres-Struktur steckt weit mehr als eine spontane Laune der Chefetage in Osaka. Takeuchi enthüllte, dass die Pläne für den großen Bogen bereits während der Konzeption für das Resident Evil 2 Remake Form annahmen. Damals etablierte das Studio ein umfassendes Markenkonzept, das die bisherige Veröffentlichungspolitik rückwirkend in ein völlig neues Licht rückt.
„Die Story der Reihe war nicht von Anfang an durchgeplant; sie wuchs mit jedem neuen Spiel. Als wir RE:2 planten und ein Zehn-Jahres-Branding-Konzept entwickelten, war das die größte Herausforderung. Wer alle Teile durchspielt, wird den Sinn hinter der Reihenfolge der Remakes verstehen“, so Takeuchi. Die Neuauflagen von Teil 2, 3 und 4 waren folglich keine isolierten Nostalgie-Projekte, sondern gezielte Wegweiser für das bevorstehende Serienfinale.
Genau hier docken die nächsten Schritte des Publishers an. Mit dem für 2027 angekündigten Resident Evil Veronica rücken Chris und Claire Redfield wieder in den Fokus, um das nächste Kapitel aufzuschlagen. Die geplante Story-Erweiterung für Requiem liefert parallel Antworten zu den Ursprüngen des Bioterrorismus.
Kein endloses Ausschlachten alter Erfolge, sondern ein geplanter Abschluss mit voller Wucht.
Milliardenumsätze und der Mut zum rechtzeitigen Absprung
Ein börsennotierter Konzern, der ausgerechnet auf dem Zenit seines kommerziellen Erfolgs über das Ende seiner wichtigsten Einnahmequelle nachdenkt, grenzt an ein wirtschaftliches Kuriosum. Immerhin hat das Horror-Schwergewicht seit dem Frühjahr bereits über 8,5 Millionen Einheiten abgesetzt und die gesamte Marke über die historische Schwelle von 218 Millionen Verkäufen katapultiert. Normalerweise diktieren Aktionäre in solchen Momenten eine endlose Fließbandproduktion bis zum spielerischen Kollaps.
Capcom hat die schmerzhafte Lektion aus der Ära von Teil 6 jedoch verinnerlicht, als die Reihe vor lauter Action-Wahn fast ihre Identität verlor. Indem die Japaner das Franchise nun mit Bedacht auf ein definiertes Finale zusteuern lassen, bewahren sie die Würde ihrer Figuren. Anstatt Leon S. Kennedy und die Redfield-Geschwister als greise Schatten durch endlose Spin-offs zu jagen, bekommt das Horrorgenre die seltene Chance auf einen echten, verdienten Höhepunkt.
Bis der letzte Zombie fällt, bleiben den Spielern nach dem Siegeszug von Resident Evil Requiem noch volle zehn Jahre mit mehreren großen Projekten auf PC, PS5, Xbox Series X/S und Nintendo Switch 2. Ein Franchise auf dem absoluten Höhepunkt geordnet zu beenden, ist das mutigste Statement, das die Branche seit Jahren gesehen hat.