CD Projekt RED zieht bei The Witcher 4 die Reißleine und peilt den heiß ersehnten Release offiziell für 2028 an. Wer gehofft hat, auf der Gamescom die ersten echten Gameplay-Szenen zu sehen, holt sich stattdessen eine eiskalte Abfuhr ab. Hinter den Kulissen braut sich allerdings deutlich mehr zusammen als nur ein gewöhnliches Sequel.
Gamescom-Abfuhr mit Ansage: Warum CDPR die Hexer-Küche dicht hält
CD Projekt RED verzichtet bei The Witcher 4 auf der diesjährigen Gamescom auf einen großen Messeauftritt und peilt für den Release das Jahr 2028 an. In einer offiziellen Videobotschaft bezeichnete Co-CEO Michał Nowakowski das Mammutprojekt als das bisher größte, mutigste und ehrgeizigste Spiel des Studios. Statt die Werbetrommel viel zu früh anzuwerfen, bittet die Chefetage die Community unverblümt darum, das Team in Ruhe kochen zu lassen, da sich das lange Warten am Ende bezahlt machen werde.
Dass die Polen die Notbremse ziehen, ist die einzig richtige Reaktion auf die eigene Vergangenheit. Das Debakel um den damaligen Cyberpunk-Launch steckt den Verantwortlichen bis heute in den Knochen, weshalb der CD Projekt RED interne Reboot unfertige Vorab-Versprechen ein für alle Mal aus dem Studioalltag tilgen soll. Lieber nehmen die Entwickler jetzt den Spott über vier Jahre Funkstille in Kauf, als später den nächsten verbuggten Release-Unfall über die Server zu jagen.
Gleichzeitig wächst der Druck auf die Belegschaft mit jedem Monat. Mittlerweile schaltet The Witcher 4 bei Entwicklerzahlen in den höchsten Gang, während über 500 Mitarbeiter im Warschauer Hauptquartier an Ciris neuem Abenteuer feilen. Auf der Kölner Messe schaut ihr zwar noch in die Röhre, doch für die kommenden Jahre stellte das Studio bereits handfeste Gamescom-Auftritte in Aussicht.
Trostpflaster für 2027: Songs of the Past schlägt die Brücke
Als spielbaren Lückenbüßer schickt CD Projekt RED eine dritte vollwertige Story-Erweiterung für The Witcher 3 ins Rennen, um die Wartezeit bis zum nächsten Hauptteil abzufedern. Auf dem Kölner Messegelände gewährt das Team erste handfeste Einblicke in Songs of the Past und serviert euch auf der Bühne eine Kostprobe der düsteren Story. Den ersten großen Trailer haut das Studio direkt bei der Gamescom Opening Night Live raus, bevor begleitende REDstreams weitere Details ans Licht bringen.
Dass das Addon erst 2027 an den Start geht, bremst die spontane Euphorie zwar spürbar, ist produktionstechnisch aber ein genialer Schachzug. Um die eigenen Ressourcen nicht zu verbrennen, haben die Polen für Songs of the Past Entwickler beim Partnerstudio Fool’s Theory angeheuert, damit die Kernmannschaft ungestört am vierten Teil schrauben kann. Nachdem schon im Vorfeld ein Leak das Addon vorzeitig ins Netz gespült hatte, herrscht jetzt endlich Gewissheit über den Veröffentlichungsplan.
Sechs Jahre für drei Blockbuster: Der mörderische Takt der Unreal Engine 5
Das Release-Fenster im Jahr 2028 ist kein isolierter Termin, sondern der Startschuss für eine brandneue Hexer-Trilogie auf Basis der Unreal Engine 5. CD Projekt RED wirft die hauseigene REDengine endgültig über Bord und stellt die komplette Pipeline auf Epics Flaggschiff-Engine um. Das frisst bei der Einarbeitung zwar gigantische Ressourcen für Beleuchtung und Toolsets, soll den Entwicklern hinten raus aber genau den Baukasten liefern, den sie für ihren mörderischen Zeitplan brauchen.
Denn die eigentliche Ansage raubt jedem Branchenkenner den Atem: Nach offiziellen Angaben umfasst der Plan für The Witcher 4 eine zusammenhängende Saga, die innerhalb von nur sechs Jahren vollständig auf den Markt kommen soll. Wer 2028 das erste Spiel von der Leine lässt, muss bis 2034 zwei weitere Mega-Rollenspiele nachschieben – eine Release-Schlagzahl, an der selbst die erfahrensten Studios der Welt zerschellt sind.
Michał Nowakowskis Machtwort ist am Ende eine heilsame Abrechnung mit verfrühten Erwartungen. CD Projekt RED verordnet sich selbst einen Maulkorb, meidet den kurzfristigen Messe-Zirkus und setzt alles auf eine Karte. Wenn das Endergebnis 2028 die erzählerische Wucht der alten Tage erreicht, redet niemand mehr über die lange Wartezeit. Verheben sich die Polen jedoch erneut an ihren eigenen Ambitionen, steht nicht weniger als die Zukunft des gesamten Hexer-Universums auf dem Spiel.