Bungie suchte jahrelang nach einem Befreiungsschlag aus der kreativen Sackgasse. Unter dem Codenamen Payback werkelte das Studio an einem Third Person Sandbox Spiel im Universum von Destiny, das die verkrustete Shooter-Formel komplett umkrempeln sollte. Statt düsterer Raid-Grinds und komplexer Menüs dominierten Open World Erkundung sowie Heldenfiguren nach dem Vorbild von Genshin Impact das Konzept. Im Sommer 2024 zogen die Verantwortlichen schließlich den Stecker.
Genshin Impact als Vorbild für Luke Smiths geheimes Sandbox-Abenteuer
Die Führungsriege um Luke Smith und Mark Noseworthy verfolgte mit dem internen Prototyp Payback ein radikales Ziel für das Franchise. Anstelle des vertrauten First-Person-Geballers setzte das Team auf eine Third-Person-Perspektive mit starkem Fokus auf Erkundung und Umgebungsrätsel. Inspiriert von chinesischen Open-World-Erfolgen wie Genshin Impact sollten individuelle Heldenfiguren mit spezifischen Fähigkeiten die traditionelle Hüter-Klassenstruktur ablösen.
In Fankreisen kursierten lange Spekulationen über einen vollwertigen Nachfolger, bis die eingestellten Arbeiten an Destiny 3 nach internen Sparrunden das vorzeitige Aus besiegelten. Payback sollte das Universum zwar weitertragen, verzichtete intern aber womöglich sogar komplett auf den Markennamen Destiny im Titel. Bungie wollte sich damit von der tonnenschweren Altlast befreien, die frische Spieler seit Jahren vor den Kopf stößt.
Überalterte Hüter und das ungelöste Onboarding-Dilemma
Genau diese Einstiegshürden wuchsen in Destiny 2 über Jahre hinweg zu einer ernsten Bedrohung für das Studio heran. Bloomberg-Journalist Jason Schreier enthüllte im September 2026, dass die demografische Basis des Shooters kontinuierlich alterte. Bungie schaffte es schlicht nicht mehr, jüngere Zielgruppen für das Live-Service-Konstrukt zu begeistern, weil der Einstieg für Neulinge einem undurchdringlichen Dickicht aus Menüs und Quests glich.
Schreier brachte das Kernproblem auf den Punkt. Demnach sollte Payback gezielt jüngere Spieler ansprechen, die noch nicht im Universum verwurzelt waren, da die Stammkundschaft kontinuierlich alterte. Zusätzlich entzog das umstrittene Content Vaulting dem Shooter das narrative Fundament. Wer neu anfing, verstand weder die Spielwelt noch die Zusammenhänge, weil fundamentale Kampagnen von den Servern gelöscht worden waren.
Bungies Giftschrank voller verworfener Zukunftspläne
Die Streichung dieser Inhalte war kein isolierter Fehlgriff, sondern symptomatisch für ein Studio, das sich in parallelen Experimenten verrannte. Payback reiht sich nahtlos ein in eine ganze Reihe von geheimen Projekten im Giftschrank, die Millionen an Entwicklungsbudget verschlangen und anschließend klammheimlich begraben wurden. Statt klare Prioritäten zu setzen, verteilte das Management Ressourcen auf wacklige Prototypen abseits des Kerngeschäfts.
Ähnlich erging es zuvor bereits dem Konzept von Destiny Infinity, das die veraltete technische Infrastruktur grundlegend sanieren sollte, letztlich aber an den astronomischen Kosten scheiterte. Die wiederholten Fehlkalkulationen erzwangen schließlich harte Schnitte bei Sony, woraufhin die Entwickler fast alle Nebenschauplätze einstampften. Übrig blieben lediglich die Reparatur des Flaggschiffs und die riskante Fertigstellung des Extraction-Shooters Marathon.
Die mühsame Rückkehr alter Kampagnen auf modernem Fundament
Um die verprellte Stammkundschaft zu besänftigen, setzt das Studio nun auf eine Kehrtwende in der eigenen Update-Politik. Bungie versucht verlorenes Vertrauen durch die Rückkehr der verbannten Kampagnen zurückzugewinnen. Die Entwickler räumten öffentlich ein, dass das Einmotten von Red War und Forsaken nachhaltigen Schaden angerichtet hat, weshalb diese Story-Meilensteine nach und nach wieder für alle Spieler freigeschaltet werden sollen.
Der technische Aufwand für dieses Vorhaben fällt jedoch gewaltig aus. Weil die Tiger-Engine seit der Veröffentlichung der Erweiterung Jenseits des Lichts tiefgreifend modifiziert wurde, müssen Beleuchtungssysteme, Skripte und Gefechtslogik der alten Zonen mühsam neu aufgebaut werden. Währenddessen erhält Marathon im Dezember 2026 ein wichtiges Update mit Team-Deathmatch und PvE-Modus. Bungie kämpft damit zeitgleich an zwei Fronten um die eigene Zukunft.