Capcom hat auf dem Summer Game Fest nicht lange gefackelt: Direkt im Anschluss an die Show schob der Publisher ein Video nach, in dem Produzent Ryozo Tsujimoto und Expansionsdirektor Takuro Hiraoka das erste Mal konkret über Monster Hunter Wilds: Ascendance sprechen. Die Erweiterung bringt ein neues Gebiet namens Skybound Eyrie, den Boost Bracer als spielveränderndes Werkzeug und – endlich – Quests im Meisterrang. Auf dem Papier also genau das, was sich die Community seit Monaten wünscht.
Boost Bracer und schwebende Ruinen: Das liefert Ascendance
Was Hiraoka in dem Video tatsächlich verrät, klingt zunächst vielversprechend. Der Boost Bracer ist das zentrale neue Spielzeug der Erweiterung – ein Ausrüstungsgegenstand, der für jede Waffenklasse frische Fähigkeiten freischaltet und Angriffe, Kombos sowie Bewegungsoptionen temporär verstärkt. Parallel dazu versprechen die Entwickler neue Aktionen und Kombos, die komplett ohne den Bracer funktionieren. Das neue Gebiet Skybound Eyrie beschreibt Hiraoka als eine Ansammlung schwebender Ruinen, zwischen denen ihr mit eurem Saikrii gleiten könnt. Dazu gesellen sich im Meisterrang knallharte Monster-Varianten, die erst nach Abschluss der 7-Sterne-Mission „Erwachen aus einem Traum“ (der Arkveld-Jagd im Basisspiel) zugänglich werden.
Die inhaltlichen Bausteine sind damit klar:
- Boost Bracer als spielveränderndes Werkzeug mit waffenspezifischen Skills
- Skybound Eyrie, ein vertikales Gebiet aus fliegenden Ruinen
- Quests im Meisterrang, die den Schwierigkeitsgrad spürbar anziehen sollen
- Eine Story, die sich nicht nur um einen einzelnen Ältestendrachen dreht, sondern das gesamte Pantheon der Elder Dragons tiefer verweben will
Hiraoka betont außerdem, dass der Name Ascendance nicht nur den Aufstieg durch das neue Gebiet symbolisiert, sondern Capcoms Anspruch, sämtliche Komponenten von Wilds auf ein höheres Niveau zu hieven. Eine steile Ansage.
Der Ältestendrache im Raum: die Technik
Genau hier wird es kritisch. Die massiven technischen Probleme zum Launch sind bestens dokumentiert: Ruckler, Framerate-Einbrüche selbst auf potenten Rechnern und ein kurioser Bug, der bessere Bildraten an den Besitz von Kosmetik-DLCs koppelte – Wir haben dieses absurde Debakel ausführlich beleuchtet. Capcom hat über die Monate nachgebessert, und die nachträglichen Patches, die die Performance endlich spürbar verbesserten, zeigen, dass der Wille zur Reparatur da ist. Trotzdem bleibt die RE Engine bei offenen Spielwelten ein notorischer Problemfall – das musste bereits Dragon’s Dogma 2 schmerzhaft erfahren.
Die Iceborne-Erweiterung für Monster Hunter World traf auf ein technisch ausgereiftes Basisspiel und konnte sich voll auf Content konzentrieren. Sunbreak für Rise profitierte von der grundsoliden Switch-Basis. Ascendance hingegen erbt ein Spiel, das selbst anderthalb Jahre nach Release noch nicht auf allen Plattformen rund läuft. Ein neues, vertikal designtes Gebiet mit Gleitpassagen zwischen schwebenden Ruinen stellt zusätzliche Anforderungen an die Streaming-Engine – ausgerechnet der Bereich, in dem Wilds seit Tag eins schwächelt.
2027 ist kein Datum, sondern eine Hoffnung
Dass Capcom nicht einmal ein Quartal für den Release nennt, spricht Bände. Die erste Ankündigung im Jubiläumsvideo fiel ähnlich vage aus, und dass sich daran Monate später nichts geändert hat, deutet auf eine Erweiterung hin, die sich noch in einer frühen Produktionsphase befindet. Die Iceborne-Erweiterung erschien rund 20 Monate nach World – überträgt man diesen Rhythmus auf den Februar-Launch 2025 von Wilds, landet man frühestens im Spätsommer oder Herbst 2027. Dass Capcom lieber großzügig „2027″ sagt, als ein konkretes Fenster zu riskieren, passt ins Bild der vorsichtigen Kommunikation.
Ebenfalls unerwähnt im kompletten Video: der Preis. Iceborne und Sunbreak kosteten jeweils 39,99 Euro zum Launch – eine Größenordnung, die realistisch erscheint, aber angesichts der Monetarisierungshistorie von Wilds (kostenpflichtige Charakter-Edit-Voucher, gestaffelte Kosmetik-DLC-Pakete in einem Vollpreistitel) nicht gesetzt ist.

